Woher kommt das Böse? Wie kommt es, dass wir Böses tun? Diese Fragen haben Paul Ricoeur, den letztes Jahr verstorbenen Philosophen und Theologen der sich selbst nie als solchen bezeichnet hat, seit seinen frühesten Arbeiten begleitet. Der vorliegende Essay, entstanden aus einem Referat, das Ricoeur 1985 an der Theologischen Fakultät Lausanne gehalten hat, kann stellvertretend für seine Beschäftigung mit diesen Fragen stehen. Angesichts dessen, was das 20. Jahrhundert an Bösem hervorgebracht hat, beleuchtet Ricoeur die verschiedenen religiösen, mythologischen und philosophischen Diskurse über das Böse. Er zeigt, wie die traditionelle Theodizee, aber auch wie Kant, Hegel oder Barth versucht haben, das Problem, das die Existenz des Bösen bedeutet, zu lösen. Ricoeur selbst plädiert für eine Weisheit, die auf die (An-)Klage verzichtet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2007
Bemerkenswert scheint Uwe Justus Wenzel diese Abhandlung des 2005 verstorbenen französischen Philosophen Paul Ricoeur über das Böse. Eine besondere Herausforderung für Philosophie und Theologie bildet die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Bösen in der Welt. Beeindruckend findet Wenzel, wie Ricoeur die Geschichte dieser Frage in "wenigen, ausdrucksstarken Strichen" skizziert. Deutlich wird für ihn bei Ricoeur die Verfeinerung des Diskurses über das Böse, der im Lauf seiner Geschichte "komplexer und anspruchsvoller" wurde, ohne letztlich aus der Aporie herauszukommen. Dennoch findet er bei Ricoeur die Hoffnung auf ein Handeln und "Fühlen", das aus den Sackgassen des mit dem Bösen überforderten Denkens herausführe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2006
Der Rezensent Walter Sparn empfiehlt dieses Buch des im vergangenen Jahr verstorbenen Philosophen Paul Ricoeur über das Böse - das seiner Meinung nach den Bereich der konkreten Erfahrung ebenso wie das Diskursive gekonnt abdeckt - insbesondere aufgrund seiner Kompaktheit all jenen, die keine Zeit haben, sich in Ricoeurs weiteres Werk einzulesen. Der Rezensent schließt sich in seinem Urteil dem Verfasser des Vorwortes von Pierre Bühler an, der findet, dass hier "ganz unaufdringlich Verstandesarbeit als Moment der Lebensarbeit präsentiert wird". Sparn hat hier offenbar zu seiner Freude erfahren, was an der Erbsündenlehre Augustins falsch ist und wo Hegels Ontologie hakt.
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