Georgi Gospodinov

Der Gärtner und der Tod

Roman
Cover: Der Gärtner und der Tod
Aufbau Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783351042615
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Bulgarischen von Alexander Sitzmann. In seinem bisher persönlichsten Roman lässt Georgi Gospodinov das Leben seines Vaters in einer bewegenden Hommage auferstehen. Er feiert den leidenschaftlichen Gärtner, der bis zum Schluss nicht vom Umgraben, Säen und Jäten abzubringen ist - und vom Geschichtenerzählen. Der Vater zeichnet mit seinen Worten ein Bild der Welt, überall und so lebendig, dass alle Schmerzen vergehen und der Blütenstaub der geschilderten Kirschbäume sich in den Aschenbechern seiner Ärzte wiederfindet. Ein Buch über unsere Eltern, die uns nicht nur beibringen zu leben, sondern auch, was es heißt, Abschied zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2025

Rezensentin Renate Meinhof liest Georgi Gospodinovs Buch über seinen Vater als kraftvolle wie zärtliche poetische Studie über Leben und Sterben. Und mehr noch führt das Buch den Leser in die Welt Bulgariens der Alten am Rand der Gesellschaft. Menschen, die den Sozialismus er- und überlebt haben und nach der Auflösung des Ostblocks irgendwie aufs Abstellgleis gerieten. Wie der Autor darüber berichtet, in Kindheitserinnerungen und in einem weiten Bogen das Leben des Vaters rekapitulierend, in der Erzählung vom langsamen Abschiednehmen schließlich, findet Meinhof berührend. Dass der Band auch ein Buch über Bulgarien und Südosteuropa geworden ist, lässt Meinhof nicht unerwähnt. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.08.2025

Rezensentin Cornelia Geißler zeigt sich ziemlich bewegt von Georgi Gospodinov Buch über seinen Vater, dessen Garten und dessen Sterben: In Kurzkapiteln zieht der bulgarische Autor sie immer mehr in den Bann der Emotionen dieses Geschehens, zart und leise. Der Vater hat nach dem Ende des Sozialismus seinen Job verloren, Krebs bekommen, sich aber mit dem Garten eine Beschäftigung gesucht, Kräuter und Blumen angepflanzt, dann kommt die Krankheit zurück. Gospodinov hat die Suche nach den Worten und die Frage nach dem richtigen Erzählen über das Sterben seines Vaters mit in den Text eingeflochten. So entsteht ein Buch, das um die "Poesie der Trauer" kreist und seine tröstende Wirkung durch diese berührenden Überlegungen erreicht, wie Geißler schließt. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2025

Eindringlich und leise zugleich findet Rezensent Franz Haas dieses Buch von Georgi Gospodinov, in dem er nicht nur das Sterben seines Vaters festhält, sondern sich auch an dessen Leben erinnert. Der Vater hat zum zweiten Mal Krebs und wird das Ende des Jahres nicht mehr miterleben, verrät Haas die Prämisse, doch die Arbeit in seinem Garten gibt ihm zumindest noch eine Weile Kraft - oder der Vater gibt seine Lebenskraft an den Garten, beides scheint zu stimmen. Neben dem Garten spielt auch die Geschichte Bulgariens, in deren "Fleischwolf" Vater und Sohn immer wieder geraten, eine Rolle, Gospodinov verwebt das zu einem Erinnerungsbild, in dem Melancholie, Schmerz und die Kraft der Sprache gleichermaßen vorherrschen, schließt der Kritiker. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.06.2025

Bewegt liest Rezensent Jörg Plath dieses persönliche Buch von Georgi Gospodinov, in dem der bulgarische Autor den Tod seines Vaters verarbeitet. Bis zum Tod des Vaters in der Mitte des Buches erfahren wir von Rückenschmerzen und Gartenarbeit, Krebsbehandlungen und Sterben in der Wohnung des Sohnes. Nach dessen Tod setzen die literarischen Fähigkeiten des zunächst vor Schmerz gelähmten Sohnes wieder ein, erklärt Plath: In einer Mischung aus "Trauer und Humor, Ironie und Verzweiflung" erinnert er sich an Momente mit dem Vater, vor allem aber an dessen Geschichten. Aber das Buch ist nicht nur Memoir und Trauerroman, sondern auch Garten- und "elegischer" Roman, versichert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.05.2025

Rezensent Maximilian Mengeringhaus ist froh über dieses Buch, das der bulgarische Autor Georgi Gospodinov in Erinnerung an seinen Vater geschrieben hat: Ums Abschiednehmen, die Unausweichlichkeit des Todes der eigenen Eltern, geht es ebenso wie um die vielen lustigen Anekdoten aus dem Leben des Vaters. Bei der ersten Krebserkrankung beispielsweise habe sich das Gerücht herumgesprochen, man habe ihm beinahe den Hals durchtrennt, woraufhin der Vater am Telefon mit dem schelmischen Spruch reagiere: "Warte kurz, ich hole meinen Kopf und dann erzähle ich dir alles." Die Anleihen, die Gospodinov bei den Erzählungen seines Vaters nimmt und reflektiert, heben für Mengeringhaus auf eine allgemeine Ebene ab, die Verlusterfahrungen und Schreiben als Bewältigung behandeln. Eine berührendes Buch, hält der Kritiker abschließend fest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2025

Rezensentin Sandra Kegel freut sich, dass der  "experimentierfreudige"Autor Georgi Gospodinov ein neues, ganz zartes  Buch vorgelegt hat, das vom Tod seines Vaters und dessen Krankheit  zuvor erzählt. "Memoir, Bekenntnis und Momentaufnahme zugleich" liest Kegel, Gospodinovs Ich-Erzähler, der für sie mit dem Autor übereinstimmt, webt die schmerzlichen Erfahrungen mit dem Tod des  Vaters  Bezüge auf Mythen und die Bibel, Homer, aber auch Susan Sontag ein und macht sich Gedanken über Latein als Sprache des Todes. Zentral ist auch der Garten, den der Vater hingebungsvoll pflegt, erfahren wir, und in den der Erzähler immer wieder zurückkehrt - für  die Kritikerin ist dieses Buch auch eines, das die Geschichte der verschiedenen Generationen nach dem Fall des eisernen Vorhangs zwischen Bleiben und Gehen und die Folgen des in Bulgarien viel verbreiteten Schweigens erzählt. Ein gelungener Text über "existenzielle Grenzerfahrungen", hält sie abschließend fest.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.05.2025

Rezensent Volker Weidermann liest dieses zarte, hingebungsvolle Buch von Georgi Gospodinov, das der Bulgare wie auch seine früheren Werke "aus der Mikroperspektive von ganz unten" erzählt: Es geht um den verstorbenen Vater, der sein Leben lang gerne gegärtnert hat. An der Geschichte, wie der Vater nach einem zwiebellosen Jahr Zwiebeln pflanzte und sich plötzlich in einem Meer voller Leute mit der gleichen Idee fand und so keine einzige davon verkaufen konnte, zeigt sich für Weidermann nicht nur das Leben des Vaters, sondern er kann auch nachvollziehen, wie Gospodinov der Erzähler geworden ist, der er heute ist. Wie der Vater versucht, das Leben gleich der Scheherazade durch immer neue Geschichten zu verlängern, überzeugt den Rezensenten ebenso wie das zärtliche Vokabular, das mit Begriffen wie "Stillsamkeit" ein weiches, liebevolles Bild zeichnet.

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