Die Heilung von Luzon
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446284210
Gebunden, 336 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Zwei deutsche Paare treffen in einem Resort auf den Philippinen aufeinander. Nicht die Lust, am Strand zu liegen, hat sie dorthin getrieben, sondern schiere Verzweiflung. "Unheilbar" war die ärztliche Diagnose für jeweils einen von ihnen. Sie suchen Rettung bei einem Wunderheiler, der in einem verlassenen Zoo Operationen ohne Skalpell vornimmt. Bock, einst ein berühmter Theaterregisseur, träumt von einer letzten großen Inszenierung. Gela, seine Frau, wollte ihn schon lange verlassen. Auch bei Tom und Rikka stellt sich die Frage, ob nur noch das Schicksal sie aneinanderkettet.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2026
Wohl anlässlich des Gastlandauftritts der Philippinen auf der Frankfurter Buchmesse hat Karl-Heinz Ott die Handlung seines neuen Romans in ein Beach Resort auf der philippinischen Insel Luzon verlegt, vermutet Rezensentin Lerke von Saalfeld. Drei deutsche Paare sind darin auf der Suche nach einem Wunderheiler, der sie von der Tristesse ihres Lebens befreit und sie auf einen neuen Weg führt, so Saalfeld, die sich am "geschliffenen Witz" erfreut, mit dem Ott etwa den gescheiterten Regisseur Bock persifliert. "Grotesk-komisch" findet die Kritikerin die Szenen zwischen den Paaren, die sich nur dann einig sind, wenn es um den Heiler geht, der an ihnen eine Art rituelle Reinigung vornimmt und für den größtmöglichen Effekt mal eben Fleischstücke aus dem Ärmel schüttelt, als hätte er ihre (allerdings unversehrten) Leiber davon befreit. Auch zum Lachen regt es an, wenn die sechs auf der Suche nach einer echten Kreuzigung zum Irrweg gerät, hält die zufriedene Rezensentin fest, die sich an diesem feinen, absurden Buch freut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.10.2025
Rezensentin Judith von Sternburg überschüttet den neuen Roman des 68-jährigen Schriftstellers über deutsche Paare, die beim philippinischen, real existierenden Wunderheiler Bon Sato Todesflucht suchen, nur so mit begeisterten Adjektiven. Das beginne bereits bei der Plastizität, mit der Ott vom Körperwühler Sato zu erzählen weiß, wahrscheinlich weil er selbst solch einer ekligen, aber schmerzlosen Körperkur beiwohnte, denkt die Kritikerin. Dass die eigentliche Heilung dabei ausbleibt gehört für sie zum feinen, satirischen Unterbau des Textes, der, da er von deutschen Reisenden handelt, auch eine oft sehr deutsche Art von Besserwisser-Tourismus aufs Korn nimmt. Doch eigentlich wollen alle hier - das sind vornehmlich die Paare Rikka und Tom, Gela und Bock - nur dem Tod entkommen, auch wenn das im Roman nicht offen angesprochen wird. In lässigen Perspektivwechseln kreisen die Figuren um die Unausweichlichkeit des Todes, die laut von Sternburg auch in den zentralen Szenen mit Sato nur betont wird. Es ist letztlich das Leben mit dem Tod, das hier literarisch erprobt wird und worin von Sternburg ein geschicktes, "sinnliches, inniges, intensives" Buch über das Menschsein schlechthin sieht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 03.09.2025
Ein Wunderwerk, in dem Karl-Heinz Ott realistisch und nüchtern von einem Wunderheiler auf den Philippinen erzählt. Rezensent Helmut Böttiger würdigt besonders die versteckten Motive und Andeutungen, die den Leser hier "in der Schwebe" halten. Im Zentrum der Geschichte stehen die Psychen und Biografien einiger aus Deutschland angereister Wohlstandsbürger: Zwei Berliner Paare reisen an ein abgelegenes Meer, um eben diesen Wunderheiler in den Bergen aufzusuchen, während ihre Krankheiten und inneren Konflikte immer stärker sichtbar werden. Ott skizziere dabei mit "psychologischer Raffinesse" ihre aus der Bahn geratenen Leben, so Böttiger. Aus den unterschiedlichen Perspektiven der Hauptfiguren werden die Geschehnisse immer wieder ins Wanken gebracht; und dennoch bleibt alles systematisch durchdacht. Das Werk birgt bis zum Schluss Überraschungen, die ihm zusätzliche Tiefe verleihen, versichert der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.09.2025
Einen "klugen" und "spöttischen" Roman über die Dynamik zwischen Paaren und den Umgang mit schwerer Krankheit, sieht Rezensentin Meike Feßmann in diesem Buch. Karl-Heinz Ott lässt drei sehr unterschiedliche Paare auf der phillipinischen Insel Luzon aufeinandertreffen, jeweils ein Partner ist an Krebs erkrankt. Sie alle suchen nach Heilung und das führt dann zu ziemlich turbulenten Ereignissen, verrät die Kritikerin, von Besuchen bei Lepra-Kranken bis zu "bluttriefenden" Behandlungen bei einem lokalen Heiler. Die unterschiedlichen Dynamiken zwischen den PartnerInnen und die Schwierigkeiten, die die Erkrankung mit sich bringt, verhandelt der Autor auf kluge Weise, mit Witz, aber auch einer gewissen Nachsichtigkeit für die Figuren. Ein gutes Buch über die Themen Vergänglichkeit und dem Wunsch nach Erlösung, resümiert Feßmann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2025
Ein "couragiertes, stilistisch virtuoses" Werk, dass der souveräne Autor da entwickelt hat, findet Rezensent Rainer Moritz. Karl-Heinz Ott setzt drei deutsche Paare auf eine philippinische Insel, wo sie zwischen Hoffnung auf Heilung, dem Wunsch nach Neuanfang und den Lasten ihrer alten Leben hin- und hergerissen sind. In der Enge des Resorts treffen Krankheit, Krisen und unerfüllte Sehnsüchte aufeinander, sodass die Reise weniger zur spirituellen Erleuchtung als zum Kammerspiel über Selbsttäuschung wird. Ott lässt sie dann durch Verwicklungen, Affären und ernüchternde Einsichten aus den Fesseln ihrer Gewohnheiten teilweise aufbrechen. Einfach brillant umgesetzt durch seine unterschiedlichen, wertfreien Porträts und ungelöste, gut platzierte Ungewissheiten, so Moritz.