Aus dem Englischen von Heike Schlatterer, Ursula Held und Norbert Juraschitz. Wie tief drangen die Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts ins Private ein? Wie stark versuchten neue Ideologien die Familie zu verändern und zu formen? In der groß angelegten Studie der totalitären Systeme Europas zwischen 1900 und 1950 des britischen Historikers Paul Ginsborg steht erstmals die Familie im Mittelpunkt. Ginsborg zeigt an namhaften historischen Beispielen, aber auch am Alltag einfacher Leute, wie politische Theorien und Ideologien versuchten, auch die kleinste Einheit der Gesellschaft zu formen - und teils scheiterten, teils Spuren hinterließen. Dabei spannt er den Bogen von Russland während Revolution und Stalinismus, der Türkei auf dem Weg zur Republik über Italien während des Faschismus und Spanien im Bürgerkrieg hin zu Deutschland im Nationalsozialismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Immerhin: Das Buch des Historikers Paul Ginsborg über die Rolle der Familie in Revolution und Diktatur macht Rezensentin Nina Verheyen Lust auf noch zu schreibende Studien. Diese sollten dann unbedingt die Politik der Familie in Revolution und Diktatur tatsächlich vergleichen, meint sie. Was der Autor hier anhand des nationalsozialistischen Deutschland, des faschistischen Italien, Russland, Spanien und der Türkei und unter Einbezug von Forschung und Quellen leistet, erschöpft sich für die Rezensentin hingegen in einem Einblick in Familienalltag und -politik, Demografie und Einzelschicksale (Goebbels und Gramsci etwa). Vergleiche jedoch sind selten oder bleiben oberflächlich, kritisiert Verheyen. Außerdem fallen ihr küchenpsychologische Beobachtungen des Autors auf. Als informatives, vielschichtiges Panorama des Privaten in der Politik geht der Band für sie aber dennoch durch.
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