Aus dem Französischen von Sarah Heurtier und Sebastian Wilde. Woher kommt die Gefahr? Vom grässlichen Monster der Tyrannei, das Stadt und Land in Verwüstung und Tod stürzt, oder von der Verführungskraft einer Alleinherrschaft, die Frieden verspricht, dabei aber schleichend die Gesellschaft untergräbt?
Vor diesen Fragen steht Ambrogio Lorenzetti, als er 1338 im Auftrag der Regierung Sienas im Palazzo Pubblico das berühmte "Fresko der Guten Regierung" malt. Doch zeigt es nicht nur die Allegorien einer idealen republikanischen Politik, die sich in einem friedlichen und gerechten Staat verkörpern, sondern auch die Zerstörungen des Krieges als Folge der schlechten Regierung. Denn Lorenzetti malt das Fresko in einer Zeit der Angst. Als eine der letzten Stadtrepubliken Italiens sieht sich Siena der Gefahr der Tyrannenherrschaft ausgesetzt. Weil sich diese aber mit einer verführerischen Maske tarnt, muss der Maler zu drastischen Mitteln greifen, um sie als gesellschaftliches Übel zu entlarven.
In seinem Essay erzählt Patrick Boucheron von einem Gemälde, dessen Auftraggeber den Kampf um die Freiheit nicht nur mit Waffen, sondern auch mit eindrücklichen Bildern austragen. Dabei beschwört er eine Beunruhigung herauf, die auch heute wieder zu spüren ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2017
Der hier rezensierende Historiker Valentin Groebner lässt sich von Patrick Boucheron erläutern, wie der Künstler Ambrogio Lorenzetti 1338 in seinen Fresken in Siena Laster und Tugenden inszenierte und was ihre politische Spengkraft ausmachte. Die realen Zustände in der Toskana seinerzeit vermag der Autor ihm auseinanderzusetzen. Über die Blindheit des Betrachters der Bilder aber kann Groebner nur staunen. Das Verdienst dieses klugen Essays, meint er.
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