Patrice McMahon

Das NGO-Spiel

Zur ambivalenten Rolle von Hilfsorganisationen in Postkonfliktländern
Cover: Das NGO-Spiel
Hamburger Edition, Hamburg 2019
ISBN 9783868543315
Gebunden, 312 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ursel Schäfer. In den meisten Postkonfliktländern verorten sich für einen gewissen Zeitraum diverse internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs), ausgestattet mit Geld und den besten Absichten. Sie nehmen sich kaum lösbarer gesellschaftlicher Konflikte an, sind nicht nur für die akute Nothilfe zuständig, sondern häufig auch für den Aufbau der Demokratie, für die ethnische Aussöhnung und für die Vergangenheitsbewältigung. Nach einiger Zeit ziehen die NGOs weiter und hinterlassen eine "losgelöste Zivilgesellschaft".  Das NGO-Spiel handelt von den unbeabsichtigten und nicht selten negativen Ergebnissen der Friedenskonsolidierung. McMahons empirische Untersuchungen in verschiedenen Postkonfliktländern, ihre zahlreichen Interviews mit Menschen im Kosovo, Bosnien, aber auch z.B. in Vietnam, stützen die provokante These der Autorin, dass NGOs nicht so sehr eine Hilfe bei der Schaffung dauerhaften Friedens sind, sondern vielmehr Teil der anhaltenden Probleme in postkonfliktuellen Gesellschaften.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2019

Monika Remé scheint durchaus wichtig, was Patrice McMahon in ihrer Studie über die Realität der NGOs darlegt. Wenn die Autorin anhand von Statistiken, UN-Dokumenten und eigener Feldforschung in Bosnien und des Kosovo zeigt, wie mit viel Geld und wenig Sachverstand und Koordination an Postkonfliktsituationen herangegangen wurde, erkennt Remé zwar die Mängel im System und findet die Darstellung spannend und sachkundig. Dass die Ergebnisse der Studie längst bekannt sind, schmälert allerdings die Bedeutung des Buches, findet die Rezensentin. Ein weniger reißerischer Ton und mehr Substanz hätte dem Buch unter diesen Umständen gut angestanden, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2019

Judith Raupp kann Patrice McMahons Kritik an den Einsätzen internationaler Organisationen nachvollziehen: Immer wieder strömten NGO in Krisengebiete, stülpten den Gesellschaften ihre Standardlösungen über und zögen wieder ab, wenn eine andere Krise dräute. Raupp will das nicht bestreiten, findet aber McMahons Argumentation zu kurz gegriffen. Schließlich spielten auch viele Einheimische das Spiel mit, weil ihnen gutbezahlte Jobs winkten. Die große Frage ist für die Kritikerin vielmehr, warum sich nichts ändere, auch wenn allen Beteiligten klar sei, wie wenig der Einsatz der NGOs besonders im komplizierten Bereich der Friedenskonsolidierung bringe. Dass McMohan in ihren Buch keine alternativen Vorschläge präsentiert, hält die Raupp ebenfalls für ein Manko.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.04.2019

Marko Martin ärgert sich. Patrice C. McMahons Buch über die Ambivalenz beziehungsweise Wirkungslosigkeit von NGOs findet er akademisch arrogant, überdimensioniert, oberflächlich, sprachlich unzureichend, hölzern und ermüdend. Dass das Thema fehlgeleiteten Engagements eigentlich wichtig ist, macht die Herangehensweise der Politikwissenschaftlerin für Martin umso unverständlicher. Mit Statistik und Verweisen allein lässt sich die Rolle von Hilfsorganisationen kaum sinnvoll hinterfragen, meint Martin. Auch müsste der Blick schon über den Erfahrungshorizont der Autorin (Bosnien-Herzegowina, Kosovo) hinausgehen, findet er.

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