Herausgegeben von Brigitte Boothe und Wolfgang Marx. Mit einem Vorwort von Mario Erdheim. In diesem Buch geht es um die Dynamik innerer Verstrickung, die sich als Störfall in der sozialen Welt inszeniert. Untersucht wird die Fehlerfreundlichkeit im technischen Bereich. Der Charme der Dummheit und das Schöpferische der Panne bilden den Höhepunkt. Sigmund Freuds "Psychopathologie des Alltagslebens" ist über hundert Jahre alt. Die "Freudsche Fehlleistung" - inzwischen ein geflügeltes Wort - hat aber auch die Forschung mächtig angeregt. In diesem Buch machen Experten aus so unterschiedlichen Gebieten wie Neurowissenschaft, Psychologie, Psychoanalyse, Soziologie, Pädagogik, Theologie und Literaturwissenschaft Panne und Fauxpas, Störfall und Misserfolg zum Thema. Wer kann sich noch Dummheit leisten? Oder Schadenfreude? Gibt es noch "Blamagen" in multikulturellen Gesellschaften? Wo geht die Schadenfreude in Grausamkeit über? Wird man aus Schaden wirklich klug - und ist es auch klug, ihn aktiv herbeizuführen, um selbst besser dazustehen? Arbeitspsychologen haben herausgefunden, dass manchmal Schadensvermeidung nicht durch Kontrolle, sondern durch Fehlerfreundlichkeit zu erreichen ist. Wann Planung gelingt und wann sie scheitert, lässt sich an eindrucksvollen Beispielen aus der Praxis zeigen. Fehler und Missgeschicke, Irrtum und Misserfolg sind Fallen des täglichen Lebens. Pannen sind die Schwachstellen der Ordnung. Manche Pannen sind hinterhältig. Sie entpuppen sich bei genauerem Zusehen als eigentliche Saboteure. Verblüfft sieht man am Ende, nach interdisziplinärer Lektüre, Freuds Idee vom ungelösten inneren Konflikt, der zur sozialen Panne wird, in neuer und heller Beleuchtung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2004
"Besser eine geglückte Fehlleistung als ein
nur korrekter Redetext", merkt Ludger Lütkehaus in seiner humoristisch
gehaltenen Kritik des selbst akademisch-humorvoll gemeinten Bandes an. Es geht
um die Freudsche Fehlleistung, die in diesem Sammelband zum hundertsten
Geburtstag Sigmund Freuds eingehend und interdisziplinär untersucht wird.
Lütkehaus hebt die Beiträge Jürgen Körners oder Peter von Matts hervor, die
souverän mit dem Witzpotenzial des Themas spielten, spielt auch auf einige
theologisch getönte Beiträge an, rät ab von bewusst in Reden platzierten Fehlleitungen
und freut sich insgesamt über diesen ergiebigen Sammelband über den
"unverzichtbaren Unsinn".
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