Paco Roca, Rodrigo Terrasa

Der Abgrund des Vergessens

Cover: Der Abgrund des Vergessens
Reprodukt Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783956404641
Gebunden, 304 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von André Höchemer. Im September 1940, mehr als ein Jahr nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs, wird José Celda von franquistischen Sicherheitskräften erschossen und mit elf weiteren Männern in einem Massengrab verscharrt. Sieben Jahrzehnte später macht sich Josés inzwischen 80-jährige Tochter Pepica daran, die sterblichen Überreste ihres Vaters ausfindig zu machen. Dies wäre ihr vermutlich nicht gelungen, hätte damals nicht der Totengräber Leoncio Badía, ein junger Republikaner, alles daran gesetzt, die Opfer des Franco-Regimes zu identifizieren und sie würdevoll beizusetzen. Die Zahl der Verschwundenen während der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur wird auf mindestens 100.000 bis 150.000 geschätzt. Rodrigo Terrasa und Paco Roca beleuchten in "Der Abgrund des Vergessens" das Schicksal der republikanischen desaparecidos und leisten Widerstand gegen den noch immer nicht vollständig gebrochenen Pakt des Schweigens, der über einer der dunkelsten und brutalsten Epochen Spaniens liegt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.07.2025

Kritiker Christoph Haas befasst sich mit zwei Graphic Novels von Paco Roca und Isabel Kreitz, die vom "Zeitalter der Extreme" im 20. Jahrhundert handeln, aber auch einiges über unsere heutige Zeit wissen. Paco Roca erzählt vom spanischen Bürgerkrieg und vom Franquismus anhand seiner Protagonistin Josefa Celda, die 2013 nach über siebzig Jahren das Skelett ihres Vaters identifizieren konnte, weil ein Totengräber sich die Mühe gemacht hatte, jede Leiche mit Namen zu versehen, erfahren wir. Gestalterisch seien die Panels im Stil der "Ligne claire" angelegt, es gehe vor allem darum, in den Vor- und Rückblenden die Gefühle der Personen zu zeigen. Bei Isabel Kreitz geht es um die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs, so Haas, im Zentrum steht der verfemte Autor Heinz Hoffmann, Erich Kästner nachempfunden, der dank einer früheren Affäre anonym an einem Durchhaltefilm der Ufa mitarbeiten kann. Im naturalistischen, aber bisweilen etwas "rückwärtsgewandtem" Stil zeichne Kreitz eine Welt, in der sich jeder irgendwie so durchschlägt und in der die Absurdität der finalen Phase der Nazi-Herrschaft zum Ausdruck komme. Haas überzeugen besonders die lebendigen Dialoge, in denen die Nazis als ehrlos und niederträchtig erscheinen. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.07.2025

Gleichzeitig eine hervorragende Graphic Novel und einen recherchejournalistischen Kraftakt legen Paco Roca und Rodrigo Terrasa hier laut Rezensent Patrick Illinger vor. Der Zeichner Roca und der Journalist Terrasa beschäftigen sich mit den totgeschwiegenen Toten der Zeit des Franco-Regimes - Tausende Menschen wurden auch nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs unter fadenscheinigen Anlässen verhaftet und getötet, die Aufarbeitung dieser Verbrechen wurde, erläutert Illinger entlang der Lektüre und eines Gesprächs mit den beiden Autoren, nach dem Übergang zur Demokratie in Spanien lange verschoben, sie begann erst um die Jahrtausendwende. Auf den konkreten Inhalt des Bandes geht Illinger nicht allzu ausführlich ein, Erschießungen werden in Wort und Bild dargestellt, außerdem die Bemühungen einer Angehörigen eines Hingerichteten, dieses Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen, oder auch die Geschichte eines Totengräbers, der Hinterbliebenen Erinnerungsstücke zukommen lässt. Auch die Verbrechen der Republikaner finden im Band Erwähnung, lesen wir außerdem. Insgesamt ist Illinger ziemlich beeindruckt von dem Projekt, das Roda und Terrasa hier realisiert haben.