Georg Pichler

Gegenwart der Vergangenheit

Die Kontroverse um Bürgerkrieg und Diktatur in Spanien
Cover: Gegenwart der Vergangenheit
Rotpunktverlag, Zürich 2012
ISBN 9783858694768
Broschiert, 336 Seiten, 29,50 EUR

Klappentext

Georg Pichler hat mit Nachkommen beider Seiten, der republikanischen wie der franquistischen, sowie mit Wissenschaftlern, Intellektu­ellen, Journalisten, Richtern und Politikern gesprochen, um eine Spanien übergreifende Darstellung der "Vergangenheitspolitik" bieten zu können. Zudem zeichnet er die verschiedenen Phasen der Aufarbeitung der Vergangenheit Spaniens seit dem Ende des Bürgerkriegs bis in die Gegenwart und vergleicht die spanischen Debatten mit jenen in anderen euro­päischen und lateinamerikanischen Ländern. Nicht zuletzt ist das Buch auch eine Analyse der gegenwärtigen politischen Verhältnisse in Spanien. In ihnen setzen sich die ideologischen und politischen Auseinandersetzungen von damals weiter fort, und es wird nach wie vor heftig um die Deutungshoheit über die Vergangenheit gestritten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.05.2013

Spaniens Gesellschaft ist gespalten und einer der wesentlichen Gründe dafür ist die mangelnde Aufarbeitung der Verbrechen unter der Franco-Diktatur, lernt Rezensent Thomas Urban zwei neuen Büchern von Adriaan Kühn und Georg Pichler. Aus beiden lernt er, welche Strukturen die Diktatur überlebt haben und dafür sorgen, dass die Vergangenheit nicht angerührt wird. Die großen Konzerne, die Aktienunternehmen, sind oft aus ehemaligen staatlichen Unternehmen entstanden und ihre Führungsriege rekrutiert sich noch immer aus den gleichen Kreisen wie damals, erfährt der Rezensent. Dass angesichts der Finanzkrise unter einer konservativen Regierung zuallererst die Mittel für die Aufarbeitung gestrichen werden, findet Urban ziemlich bezeichnend. An Pichlers Buch hat dem Rezensent besonders die Erzählkunst des Autors gefallen. Und dass er sich - trotz seiner offensichtlichen Sympathien für die Republikaner - um ein ausgewogenes Bild bemüht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2013

Knut Henkel begrüßt Georg Pichlers Studie über die gegenwärtige Diskussion um den spanischen Bürgerkrieg und Francos Diktatur. Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels scheint in Spanien noch immer mit vielen Tabus besetzt. Die Ursachen und Gründe hierfür führt der Autor, Professor für deutsche Sprache an der Universität Alcalá in Madrid, nach Ansicht von Henkel überzeugend vor Augen. Zudem analysiere Pichler den Schweigepakt konservativer Machtzirkel, die revisionistischen Bemühungen, die Verklärungen Francos, die gerade wieder in Mode sind. Henkel lobt die akribischen Recherchen sowie die spannende Darstellung. Sein Fazit: ein Werk, das die "komplexen Realitäten Spaniens 38 Jahre nach dem Ende der Diktatur zu Tage fördert".
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