Aus dem Spanischen von Petra Strien. Mitte der 1960er Jahre: Auf einem gottverlassenen "cortijo" im westlichen Spanien bricht Iván, Sohn der Señora Marquesa, mit seinen einflussreichen Gästen regelmäßig zu Vogel- und Treibjagden auf. Der weitläufige Herrensitz wird von wenigen in Abhängigkeit gehaltenen Landarbeitern bewirtschaftet, allen voran Paco und Régula, der Schwester des Azarías. Azarías ist ein Sonderling, dessen ganze Liebe einer Dohle gehört, die er vor dem Hungertod gerettet hat. Als der junge Gutsbesitzer den Vogel eines Tages aus Wut über eine misslungene Jagd ins Visier nimmt, reagiert der sonst so friedliche Azarías unerwartet … Delibes zeichnet ein Bild vom Leben unter dem Franco-Regime, das die scheinbare Unabänderlichkeit der sozialen Ordnung ad absurdum führt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.12.2022
Victoria Eglau freut sich über den neu ins Deutsche übersetzten spanischen Literaturklassiker von Miguel Delibes. Erschienen sechs Jahre nach dem Tod von Franco, erzähle der Cervantes-Preisträger über die Zeit der Diktatur: Die Rache des Dienstboten Paco an seiner Herrschaft, die ihn auf einem Gutshof in der spanischen Pampa wie ein Leibeigener behandelt hat. Nach Jahrzehnten der Drangsal durch den sich wie ein Feldherr aufführenden Arbeitgeber, der sich auch gegenüber Pacos Frau und Tochter im machistischen Recht fühlt, reißt dem Jagdgehilfen der demütige Geduldsfaden, lesen wir. Für die Rezensentin markiert diese Geschichte Spaniens Übergangszeit zur Demokratie, die der 2010 verstorbene Delibes auch durch Sympathien für den gewalttätigen Widerstand von Paco zu wecken gewusst habe.
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