Ottessa Moshfegh

Eileen

Roman
Cover: Eileen
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2017
ISBN 9783954380817
Gebunden, 336 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Caroline Burger. Eine Kleinstadt in Neuengland, Weihnachten 1964. Die vierundzwanzigjährige Eileen Dunlop hasst sich und die Welt. Sie muss für ihren paranoiden, alkoholkranken Vater sorgen, einen ehemaligen Cop, mit dem zusammen sie in einem heruntergekommenen Haus lebt. Ihren mageren Lohn verdient sie sich als Sekretärin in einer Vollzugsanstalt für jugendliche Straftäter. Als die schöne Harvard-Absolventin Rebecca Saint John ihren Dienst als Erziehungsbeauftragte des Gefängnisses antritt, ist Eileen sofort Feuer und Flamme. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als zu sein wie diese selbstbewusste, unabhängige Frau. Doch die Freundschaft von Rebecca Saint John hat einen hohen Preis. Eileen wird in ein grauenhaftes Verbrechen hineingezogen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2017

Rezensentin Luise Checchin warnt vor der Heldin in Otessa Moshfeghs zweitem Roman. Diese Eileen ist ein Ekel, grausam und sensibel zugleich, egozentrisch und fantasiebegabt, ungewaschen und psychologisch schwer gestört, kurz keine sympathische Heldin. Auch schreibe die Autorin nur scheinbar einen Psychothriller, tatsächlich hält sie den Leser an der langen Leine, vermeidet Spannung und verbreitet trostlose Stimmung, so Checchin. Überrascht erfährt man dann, dass sie die Geschichte dennoch in ihren Bann gezogen hat. Das liegt an der Erzählerin. Die Mitleidlosigkeit, mit der sie ihr jüngeres Ich in der Rückschau betrachtet, fasziniert die Kritikerin. So eine Heldin muss man erst einmal erschaffen, meint sie. Der schematische Aufbau des Textes fällt für sie da weniger ins Gewicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.09.2017

Die amerikanische Schriftstellerin mit kroatisch-iranischen Wurzeln, Ottessa Moshfeg, deren Roman "Eileen" gerade in deutscher Übersetzung erschienen ist, bricht mit der amerikanischen Tradition des alten weißen Mannes als großem Gesellschaftsromanschreiber, erklärt Rezensent Nicolas Freund, der Moshfegg in Berlin zum Interview getroffen hat (und offenbar nie den Roman einer amerikanischen Autorin gelesen hat). "Eileen" handelt von einer jungen Frau, die in einer Kleinstadt gefangen, mit einem Job und einem alkoholabhängigen Vater, und unbedingt ausbrechen will. Wer ihren Erstling "McGlue" schätzt, wird aber möglicherweise enttäuscht sein. Diesmal habe sie einen Bestseller schreiben wollen, erklärt die Autorin im Gespräch. Der Rezensent ist trotzdem begeistert von der psychologischen Tiefe des Romans und hebt Moshfeggs genaue Beobachtungsgabe hervor.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2017

Rezensent Tilman Spreckelsen schreibt mit großer Begeisterung über den gleich aus doppelter Perspektive sezierenden Blick, mit dem Ottessa Moshfegh ihre Protagonistin Eileen ihr trostloses Leben in einer amerikanischen Kleinstadt betrachten lässt. Eileen erzählt in Retrospektive von ihrem Leben als junge unglückliche Frau im Neuengland der 1960er Jahre, wo sie allein mit ihrem Vater, einem Alkoholiker, lebt und in einem Jugendgefängnis arbeitet. Moshfegh wechselt zwischen kühlen, nüchternen Beschreibungen und Eileens manchmal "monströsen Phantasien". Ob es der älteren erzählenden Eileen gelungen ist, sich zu befreien, oder ob sie das den Leser nur glauben machen will, ist dem Kritiker auch nach der Lektüre nicht klar, wobei die Zweifel daran von der Autorin mit "hinterlistigem Eifer" geschürt werden.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.09.2017

Ottessa Moshfeghs Roman "Eileen" hat Rezensent Elmar Krekeler aus den Socken gehauen. Denn die in den Sechzigern spielende Geschichte um die vielfach missbrauchte Eileen, die auf einem Dachboden haust und bei ihrer Arbeit im Jugendknast auf Menschen trifft, denen Ähnliches widerfahren ist, ist so abgründig und "finster", dass selbst Hitchcock den Hut gezogen hätte, meint der Kritiker. Mehr noch: Wie Moshfegh in diesem Noir vom "White trash avant la lettre" erzählt, ebenso ernsthafte, zugleich spielerische und lange nachhallende Sätze in die Welt wirft und mit Klugheit und atemberaubender Genauigkeit "erzmännliche Erzählmuster durch alle Genresäurebäder jagt", ringt dem Rezensenten größte Anerkennung ab. Von Moshfegh wird man noch einiges hören, glaubt Krekeler.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2017

Ein Faible für "krasse Typen" attestiert Rezensentin Sylvia Staude der Autorin Ottessa Moshfegh: Wie in ihrem ersten Roman MyGlue, indem sie einen trinkenden, von Selbstzweifeln und -anklagen geplagten Seefahrer porträtierte, widmet sie sich auch in ihrem zweiten Buch einer Figur, die gleichsam Mitgefühl und Abneigung im Leser hervorruft, doch leider tappt sie dabei auch wieder in die selbe Falle, bedauert Staude. Konnte man bei ihrem nur etwa 100 Seiten umfassenden Erstling die leichte Überzeichnung der Figur noch als Stilmittel akzeptieren, so wird diese Überzeichnung in "Eileen" zum Störfaktor: Immer wieder erzählt die Ich-Erzählerin von ihrer Magersucht, ihren Verdauungsbeschwerden, ihrem verhärmten Körper und ihren leiderfüllten und gemeinen Gedanken, sodass sie am Ende fast ein wenig unglaubwürdig erscheint. Trotzdem hat diese "unauffällig fiese graue Maus" etwas Faszinierendes an sich, so die abwägende Rezensentin, die sich dem Bann dieses Buches nicht entziehen kann.

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