Oskar Lafontaine

Politik für alle

Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft
Cover: Politik für alle
Econ Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783430159494
Gebunden, 303 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Massiver Sozialabbau, hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Armut - und nichts in Sicht, was uns aus dem "Jammertal" hinausführen könnte. Politik und Wirtschaft halten nach wie vor am Kurs der Reformen fest, das deutsche Volk aber fühlt sich verraten und verkauft, reagiert mit Politikverdrossenheit und Protest. Die Parteien, und allen voran die SPD, haben ihre Ideale auf dem Altar des Neoliberalismus geopfert und bauen Staat und Gesellschaft rücksichtslos um. Für Oskar Lafontaine daher allerhöchste Zeit, Alternativen aufzuzeigen. Nur durch eine radikale Neuorientierung der Linken lassen sich die Menschen für die Demokratie zurückgewinnen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.04.2005

Tobias Dürr lässt Oskar Lafontaine mit seiner Rhetorik vom betrogenen "Volk" auf der einen und den "Volksverdummern", die, wie er zitiert, "schlafen, Champagner trinken oder Golf spielen" auf der anderen Seite zwar demonstrativ ins intellektuelle Abseits laufen, doch zugleich spricht er eine Warnung aus: "Man könnte Lafontaines völkischen Populismus von links als vorgestrigen Mummenschanz abtun. Aber die Sache ist ernster." Denn es sei angesichts der noch nicht gefundenen Lösungen für die Schwierigkeiten der Gegenwart nicht zu übersehen, dass die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft in "Volk" und "Eliten" besteht. Was die hemdsärmeligen Thesen von Lafontaine zwar nicht besser macht, aber doch dagegen spricht, mit bloßem Abwinken darauf zu reagieren. Denn der frühere Ministerpräsident wartet händereibend gerade auf den Zusammenstoß, den es zu verhindern gelte: "Er spekuliert kalt auf Baisse. Gerade seinem 'Volk' ist zu wünschen, dass er sich auch diesmal wieder irrt."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.03.2005

Frank Lübberding findet in diesem Buch einen Oskar Lafontaine, der sich zugleich als Publizist, als Analytiker und als Politiker versucht, ohne dabei jedoch eine Rolle konsequent durchzuhalten. Er mache sich an einen "Gewaltmarsch durch alle relevanten Politikfelder", der so umfassend ist, dass Lafontaine seine Vorstellungen am Ende des Buches tabellarisch zusammenfassen muss, damit der Leser auch den Überblick behält, was der Rolle des Publizisten zuwider läuft. Für einen Analytiker jedoch sei die Anzahl der aufgegriffenen Themen viel zu groß, zumal der Autor in Teilen nur unpräzise analysiere, gewisse Debatten nur verkürzt wahrnehme und ihm Fehler unterliefen. Man könne Lafontaine weder Witz noch scharfen Verstand oder gute Argumente absprechen, und auch an deutlichen Positionen mangele es nicht. Dem Autor Lafontaine fehle jedoch leider das, was auch dem Politiker Lafontaine gefehlt habe: Augenmaß. Dies stelle für die Linke in Deutschland eine "gewisse Tragik" dar, denn ein Lafontaine ohne dieses Defizit "hätte viel erreichen können", meint Lübberding. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2005

Oskar Lafontaines dritte Streitschrift "Politik für alle" findet der Rezensent Florian Sendtner nicht zuletzt deshalb "bemerkenswert", weil man davon ausgehen kann, dass der einstige SPD-Vorsitzende und Finanzminister sie "tatsächlich selbst geschrieben" hat. Mag manchem die darin vertretene These, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder hätten jeder auf seine Weise versucht, in ihrer Wirtschaftspolitik "überkommene Hierarchien" wieder herzustellen, auch "absurd erscheinen", so spricht der neueste Armutsbericht für diese Behauptung, räumt Sendtner ein. Egal wie man zu Lafontaine steht, sein Buch liest sich "eindeutig weniger einschläfernd", als was man sonst so "an Versatzstücken" von Politikern zu hören bekommt, lobt der Rezensent angetan.
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