Edgar Wolfrum

Rot-Grün an der Macht

Deutschland 1998 - 2005
Cover: Rot-Grün an der Macht
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406654374
Gebunden, 848 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Um die Jahrtausendwende veränderte sich die Welt in einer rasanten Geschwindigkeit. Mit drei Kriegen wurde die Regierung Schröder-Fischer konfrontiert, im Kosovo, in Afghanistan und im Irak. Mehrmals drohte die Koalition auseinanderzubrechen. Die schwierigen und temporeichen Zeitläufte verlangten den Menschen viel ab. Erfolg und Scheitern lagen auf vielen Feldern nahe beieinander. Auf der Grundlage exklusiven Archivmaterials legt Edgar Wolfrum die erste aus den Quellen gehobene Geschichte Deutschlands zwischen 1998 und 2005 vor und entfaltet ein Panorama des Übergangs vom 20. zum 21. Jahrhundert, behandelt gleichgewichtig Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur und führt uns die Akteure dieser Jahre in ihren Siegen, aber ebenso in ihren Irrungen und Wirrungen vor Augen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013

Als Schutz vor Verklärung des aktuellen Krisenmanagements empfiehlt Rezensent Karl-Rudolf Korte das Buch von Edgar Wolfrum über die rotgrünen Jahre 1998-2005. Wolfrums umfassendes Zeitpanorama stellt den Machtwechsel als historische Zäsur dar, schreibt Korte, der die Exaktheit der zeitgeschichtlichen Interpretation im Buch lobt und den erfrischenden Umstand, dass der Autor neben den Akten auch Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Wenn auch nicht jede Einzelheit vorkommt, dem Rezensent genügt der Fokus auf das Wichtigste und das Einhalten der eigenen Maßstäbe für die Beurteilung der Regierungszeit von Rotgrün, hier etwa die Berücksichtigung der Entwicklung des europäischen Wohlfahrtsstaates. Der Autor hält sich dran, stellt Korte befriedigt fest, und legt einen umfassenden Blick auf die historische Wirklichkeit vor, in der nicht zuletzt der 11. September 2001 das Regieren dramatisch veränderte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.09.2013

Edgar Wolfrums Wälzer über die Ära Schröder-Fischer hat Rezensent Andreas Fanizadeh wegen seines Umfangs beeindruckt. Er nimmt die Lektüre zum Anlass, die großen Hoffnung und Erwartungen, die mit der ersten Regierung mit linker Mehrheit in der Bundesrepublik verbunden waren, ihre Errungenschaften und Fehlschläge, noch einmal Revue passieren zu lassen. Er rekapituliert die Herausforderungen, vor denen Rot-Grün nach 16 Jahren Kohlschen Reformstaus stand, lobt die Reform des bis dahin völkisch definierten deutschen Staatsbürgerrechts, sinniert über Lafontaines Scheitern. Über die inhaltlichen Qualitäten von Wolfrums Werk selbst erfährt man in der Rezension indes kaum etwas. Allerdings äußert sich der Rezensent auch an keiner Stelle negativ über das Werk. Bemerkenswert scheint ihm immerhin der Hinweis, dass der Band mit einem roten und einem grünen Lesebändchen ausgestattet ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2013

Allzu viel kann Rezensent Jürgen Kaube dem neuen Buch des Heidelberger Zeithistorikers Edgar Wolfrum leider nicht abgewinnen. Denn ganz so "historisch" und "epochal" wie dem Autor erscheint dem Kritiker die Regierungszeit von Rot-Grün offenbar nicht. Zu viele Selbstbeschreibungen der rot-grünen Regierungsmitglieder und der befreundeten Journalisten liest Kaube hier; auch den Eindruck der vielen so eifrig verkündeten Neuheiten und des "gravierenden" Umbruchs kann der Rezensent nicht ganz teilen: Dass zum ersten Mal die Generation von 1968 an der Macht war, könnte etwa auch daran gelegen haben, dass die meisten Vertreter der Generation im Jahre 1998 gerade einmal Mitte fünfzig waren, stellt der Rezensent spöttisch fest. Darüber hinaus fehlen ihm in dieser im Untertitel verkündeten deutschen Zeitgeschichte von 1998 bis 2005 Namen wie Thomas Middelhoff, Rainald Goetz oder Hartmut Mehdorn.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.07.2013

Harald Welzer fällt nach der Lektüre von Edgar Wolfrums achthundert Seiten starkem Buch über die rot-grüne Regierungszeit ein Zitat von Joschka Fischer ein, das sein Urteil treffend zusammenfasst: "I am not convinced." Eigentlich verspricht der Heidelberger Zeithistoriker Wolfrum eine Kontextgeschichte. Er möchte zeigen, wie die Handlungen des rot-grünen Führungskaders im Verhältnis zur internationalen Politik, Kultur, Wirtschaft und zu Ereignissen wie 9/11 zu verstehen ist, erklärt der Rezensent. Was ihm aber im besten Fall gelungen ist, findet Welzer, ist eine chronologische Rekonstruktion, die fleißig Déjà-vus hervorbringt, weil sie im eigenen Gedächtnis von vielen Zeitgenossen noch ziemlich präsent ist. Die Analysen, besonders die wirtschaftlichen, die Welzer besonders interessiert hätten, bleiben leider sehr flach, bedauert der Rezensent.