Der Erzähler kehrt im Herbst seines Lebens zurück zum verlassenen Haus am Inn, an die Orte seiner Kindheit im Unterengadin. Er findet Spuren und Erinnerungen an Menschen, an Landschaften und Gerüche. Das tägliche Leben taucht vor ihm auf, die Schule, Streit und Versöhnungen. Wichtige Menschen sind wieder da, der Vater, Eisenbahner und unersättlicher Leser, die Mutter, passionierte Briefeschreiberin, die Freunde, Lehrer, das harte Leben und die manchmal eigenwilligen Grossväter. Der Autor vermeidet die lineare Chronologie. Konzentriert um Orte, Themen und Personen, setzt sich die Jugendgeschichte Stück um Stück zusammen. Erinnerung und Imaginäres wechseln sich ab. In der Tradition einer eindrücklichen oralen Erzählkultur, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, erzeugt Oscar Peer die Stimmung vom Alltagsleben im Engadin der Dreissiger und Vierzigerjahre.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2007
Ganz hingerissen zeigt sich Rezensentin Mevina Puorger von Oscar Peers autobiografischer Erzählung "Das Raunen des Flusses". Die Erinnerungen des Autors an seine Kindheit und Jugend im Unterengadin der dreißiger und vierziger Jahr, die er aus der Perspektive des Knaben schildert, wirken auf sie höchst lebendig. Vor ihren Augen ersteht eine "Welt von gestern", Freuden und Tücken einer kleinen Dorfgemeinschaft inklusive. Den Hintergrund des Romans bilden Puorger zufolge die historischen Ereignisse der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs. Sie lobt in diesem Zusammenhang die "feine Ironie", das "genaue Wissen" und die "kritische Distanz", mit der Peer die Geschichte des Unterengadins in dieser Zeit darstellt. Puorgers Fazit: ein "literarisches Meisterstück".
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