In diesem Erzählband versammelt Alberto Nessi Geschichten von Menschen aus dem Grenzraum Schweiz-Italien. Er erzählt von einfachen Menschen im Aostatal, die während des Zweiten Weltkriegs in den Untergrund gehen und ihr Leben riskieren, von Männern, die gegen die Faschisten kämpfen, Masten sprengen, von Frauen, die Nachrichten und Lebensmittel in die Berge bringen. Aber er erzählt auch vom armen Samenhändler Roberto Donetta aus dem Bleniotal und seiner Leidenschaft, der Fotografie. Und er erzählt von Menschen von heute, vom alten Mann, der Papierschlösser baut und nicht begreift, warum sein Sohn Hitler bewundert, von der illegalen Senegalesin, die zur Überraschung des Einwohneramts zurück nach Dakar geht, von alten Tessinern, die nie den Schatten ihres Kirchturms verlassen haben, oder vom angehenden Schriftsteller, der Hermann Hesse einen Füllfederhalter stiehlt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2016
Rezensent Samuel Moser freut am meisten an den Erzählungen von Alberto Nessi, dass der Autor keine Partisanendenkmäler aufstellt, sondern tastend in Geschichten und Biografien nach lebendigen Vergegenwärtigungen von Geschichte forscht. Wenn der Autor dabei auf ungeahnte Geschichten stößt und ihnen nachgibt, scheint er für Moser in bester Manier modernes Erzählen zu praktizieren. Nessis Porträts von Outlaws im Grenzgebiet zwischen südlicher Schweiz und nördlichem Italien und ihrer widerständigen Lebensenergie bestechen laut Moser nicht zuletzt durch einen Hauch Irritation.
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