Olga Tokarczuk

Die grünen Kinder

Bizarre Geschichten
Cover: Die grünen Kinder
Kampa Verlag, Zürich 2020
ISBN 9783311100294
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein. Bizarr ist unsere Welt, immer in Bewegung, ständig in Veränderung begriffen. Und das gilt auch für die neuen Erzählungen von Olga Tokarczuk. Jede der zehn Erzählungen entfaltet sich in einem anderen Raum: Wolhynien zur Zeit der "schwedischen Sintflut", die heutige Schweiz, das ferne Asien, fiktive Orte der Imagination. Worin besteht das Gefühl, dass etwas "bizarr" sei? Wo hat es seinen Ursprung? Ist das Bizarre eine Eigenschaft der Welt oder liegt es in uns? In den unablässigen Rhythmuswechseln der Erzählungen verliert der Leser seine Gewissheiten. Olga Tokarczuk schubst uns aus der Komfortzone, lässt uns spüren, dass die Welt immer weniger zu fassen ist. Mit den Mitteln der Groteske, des schwarzen Humors, Elementen aus den Genres Fantasy und Horror führt sie uns vor Augen, dass in der Wirklichkeit, wie wir sie zu kennen glauben, nichts ist, was es scheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.12.2020

Rezensent Jan Opielka spürt in jeder der hier versammelten zehn Kurzerzählungen ein "delikates inneres Beben". Ganz gleich, ob ihm Tokarczuk von Ängsten aus Kindheitstagen, dem Geheimnis sieben alter Nonnen oder Reinkarnation erzählt - stets erkennt der Kritiker das Surreale, magisch Realistische, mitunter "Metaphysische" in den Geschichten der belesenen Psychologin. Darüber hinaus lernt Opielka von der Autorin, das Denken von der "geistigen", aber auch "zivilisatorischen Peripherie" her auszuloten. Lothar Quinkensteins Übersetzung dieser gekonnt und rätselhaft zwischen Realismus und Fantasie, Absurdität und Tragik changierenden Texte erscheint dem Kritiker angemessen einfühlsam.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2020

Mit größter Bewunderung bespricht Rezensentin Rose-Maria Gropp den Erzählband der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, der in Polen bereits 2018, noch vor der Preisverleihung, und nun auch auf Deutsch erschien. Ihre wundersamen Geschichten kreisen um den Menschen, lassen Figuren sich selbst begegnen, und flottieren dabei zwischen Magischem Realismus, dystopischer Fantasy und Surrealismus, analysiert Gropp. Viel über die entzückenden Details der Geschichten möchte sie nicht verraten, schwärmt aber von Tobarczuks Schreibkünsten: "meisterlich" beherrsche diese den Aufbau perfekter Spannungsbögen, banne den Leser mit eigenwilligen Dynamiken, deren Ursachen sie erst später aufdecke, und lasse offen, wie allwissend ihr allwissender Erzähler wirklich sei oder nur vorgebe zu sein, staunt Gropp. Jede Geschichte ein eigener "Kosmos", dem Leser in all seiner Eigenheit doch zumindest "mit einem Zipfel der Realität" vertraut und von Lothar Quinkenstein glänzend ins Deutsche übersetzt - Gropp hofft innig auf eine große Leserschaft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.09.2020

"Bizarr" nennt Olga Tokarczuks die Geschichten aus ihrem Erzählband, und "bizarr" müssten sie sein, um die Leser aus den wohlbekannten und - bequemen - Zonen des Denkens hinaus zu scheuchen in das Ungewohnte. Rezensent Benedikt Herber scheint der Autorin hierin zuzustimmen: Tokarczuks Erzählungen seien oft düster, immer seltsam, klug und manchmal recht "dystopisch", erklärt er. Ein königlicher Leibarzt und Naturwissenschaftler, den die Natur ekelt, untersucht zwei grüne Kinder aus dem Wald; einem neurotischen Professor, der helfen will, wird fälschlicherweise Missbrauch vorgeworfen - von solchen Figuren erzählt Tokarczuk, Vernunftmenschen, lesen wir, die für wenige Augenblicke zum Ungeordneten, Unbekannten vordringen, meist allerdings nur, um sich danach wieder in das Vertraute zurückzuziehen. Diese rein aufklärerische Vernunft ist es nach Meinung der Autorin, die den Menschen immer weiter vom Wesentlichen entfernt. Der Rezensent spürt hier eine gewisse Naturromantik, doch mit ihrer sprachlichen Eleganz vermeidet Tokarczuk jegliche Kitschfallen, lobt er.
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