Olga Tokarczuk

Der Gesang der Fledermäuse

Roman
Cover: Der Gesang der Fledermäuse
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783895614668
Gebunden, 346 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Die schrullige Erzählerin Janina Duszejko, Dorflehrerin für Englisch und im Winter Hüterin der Häuser von Sommerfrischlern auf einem windgepeitschten Hochplateau im Glatzer Kessel, hat zwei Leidenschaften: für Astrologie und für Tiere. Außerdem kämpft sie mit einem tückischen Leiden, liest und übersetzt mit einem ehemaligen Schüler die Gedichte von William Blake und räsoniert über die Sterne, die Menschen und die Bedeutung von Namen. Vor allem aber entwickelt die Erzählerin kuriose Theorien über die an Tieren begangenen Verbrechen. Als in der Umgebung eine Leiche nach der anderen gefunden wird, ist sie, die allgemein als Verrückte angesehen wird, der Polizei immer einen Schritt voraus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2011

Marta Kijowska warnt davor, diesen Roman von Olga Tokarczuk als einen Krimi zu lesen, auch wenn die Autoren durchaus ihr ironisches Spiel mit der Gattung treibt. Doch die Geschichte um eine ehemalige Brückenbauingenieurin, die sich in die niederschlesischen Berge zurückgezogen hat, wo es zu bizarren Mordfällen kommt, ist weitaus mehr. Nämlich Tierschützerroman und "scharfe Zivilisationskritik. Denn die Heldin des Romans entnimmt ihre pessimistisches Weltbild nicht nur der Sternenkonstellation, informiert die Rezensentin sondern auch der Mystik des William Blakes, dem in diesem Roman viel Platz eingeräumt wird. Kijowska hat diesen Roman sehr gern gelesen, wie sie bekundet, Tokarczuks skurrilen Witz schätzt sie ebenso wie "stilistisches Können".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2011

Hans-Peter Kunisch mag Olga Tokarczuk und ihren märchenhaften, etwas versponnenen Stil. Und auch ihren neuen Roman "Der Gesang der Fledermäuse" hat er gern gelesen, auch wenn er nicht ganz die "existenzielle Intensität" ihres Meisterwerks "Unrast" biete. Trotzdem schlägt ihn die polnische Autorin wieder als "ausgezeichnete Menschenerfinderin" in den Bann. Sie erzählt von einer in die Jahre gekommenen Bergbauingenieurin, die sich in die südpolnischen Berge zurückgezogen, wo sie ihrer Liebe zu Tieren und William Blake frönt. Von Idylle kann hier aber keine Rede sein, Morde geschehen. Ganz überzeugt ist Kunisch offenbar nicht von der Geschichte, aber er betont, dass Tokarczuk auch hier eine bewundernswert bildreiche Sprache pflegt und das sie mit der "Literarisierung der Tierwelt" nicht im Abseits steht, sondern in der Nähe von J.M. Coetzee und Jonathan Safran Foer.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011

Warum so ein Buch überhaupt übersetzt wurde, fragt sich Karl-Markus Gauß verzeifelt. Allerdings stellt sich auch die Frage, wieso er sich derart ausführlich einem Plot zuwendet, der eigentlich keiner ist, wie er behauptet, einer Kriminalgeschichte, die auch keine ist, weil dem Leser jede Investigationsarbeit vor der Zeit abgenommen wird. Gauß weiß um die Vorschusslorbeeren, die Olga Tokaczuk kassiert hat, weil sie zu den bekanntesten polnischen Autorinnen ihrer Generation gehört, weil sie bereits einen begeisternden Roman geschrieben hat. In diesem Fall allerdings kann er sich darauf nicht verlassen. Außer exotischer Stimmungsmache, esoterischem Schmus, mechanischen Charakteren, kuriosen sprachlichen Wendungen, Kalauern (statt Ironie) und jeder Menge Langeweile für den Leser hat er nichts zu melden.
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