Odelia Ainbinder, Amal Rifai, Sylke Tempel

Wir wollen beide hier leben

Eine schwierige Freundschaft in Jerusalem. (Ab 12 Jahre)
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783871344756
Gebunden, 175 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Übersetzt von Jerusalem 2002: Die 17jährige Palästinenserin Amal Rifa'i und die gleichaltrige Odelia Ainbinder leben in derselben Stadt, aber Welten voneinander entfernt. Vor drei Jahren begegneten sie sich auf einer Reise in die Schweiz, die von der Friedensorganisation "Peace Child Israel" initiiert wurde. Die Mädchen fanden sich sympathisch, doch kulturelle Missverständnisse und der erneute Ausbruch der Intifada verhinderten, dass zwischen ihnen eine Freundschaft entstand. Beide Mädchen sind froh, als die Journalistin Sylke Tempel den Kontakt zwischen ihnen wieder herstellt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003

Im schriftlichen Austausch eines jüdischen und eines palästinensischen Mädchens, beide aus Jerusalem, lässt sich vieles lernen über die "grundsätzliche Kluft" zwischen beiden Kulturen, die in den Medien nur am Rande vorkommt, schreibt Gisela Dachs. Beide Mädchen haben gerade Abitur gemacht und sich vor drei Jahren bei einer Friedensorganisation kennen gelernt. Sie sind keine Freundinnen und in ihrem Dialog wird auch "kein noch so heißes Eisen" ausgespart, erklärt die Rezensentin, weder die Selbstmordattentate, für die Palästinenserin zum Schrecken der Israelin Verständnis zeigt, noch die Geschlechterrollen - die Palästinenserin steht kurz vor der Hochzeit - oder der Holocaust. Das macht die Annäherung der beiden ehrlich und authentisch, lobt die Rezensentin und fordert Autorin Sylke Tempel auf, die beiden in zehn Jahren noch einmal zusammenzubringen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2003

Alexandra Senfft wertet die Entstehung eines solchen Buches wie des vorliegenden, in dem sich eine Palästinenserin und eine Israelin unter der Moderation der deutschen Journalistin Sylke Tempel mittels Briefen, E-Mails und Gesprächen auseinandersetzen, als Beispiel dafür, dass "Versöhnung möglich" ist. Durch die Diskussionen der beiden Teenager, die in dem Buch nach Themen geordnet sind, würden verschiedene "Wahrnehmungen und Wertungen" deutlich, die im palästinensisch-israelischen Konflikt eine Rolle spielten, so die Rezensentin. Als traurig und "mitunter auch ein wenig ärgerlich" bedauert Senfft die auch in diesem Buch deutlich werdende "Asymmetrie zwischen Israelis und Palästinensern", die dahin führe, dass sich die Palästinenserin im Gegensatz zu ihrer israelischen Gesprächspartnerin aus Angst vor Repressalien nicht einmal auf dem Umschlag abbilden lassen konnte und auch unter Pseudonym schreiben müsse. Insgesamt zeigt sich die Rezensenten angetan von diesem Dialog und sie lobt als "besonderes Verdienst" des Buches, dass es auch die "positiven Seiten" der israelisch-palästinensischen Auseinandersetzungen zeigt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2003

Gerda Wurzenberger weiß um die Schwierigkeit, das Thema des Palästina-Konflikts europäischen Jugendlichen "schmackhaft zu machen". Besondere Probleme bereiten dabei die "Gratwanderung zwischen der latenten Langeweile politischer Korrektheit und parteiergreifender Rollenprosa". Nun hat die langjährige deutsche Nahostkorrespondentin Sylke Tempel einen Briefwechsel zwischen zwei jungen Frauen in Jerusalem initiiert, und Wurzenberger lobt die umsichtig vorbereitende Arbeit der Herausgeberin, die wahrscheinlich gerade deshalb die ersten Kapitel des Buches ein wenig langweilig erscheinen lassen. "Via Brief, Mail, aber auch persönlichen Gesprächen" finde ein Meinungsaustausch statt, der in seinen Erkenntnissen zu vielleicht "banalen", auf jeden Fall "ernüchternden" Erkenntnissen führe. Deutlich wird für die Rezensentin, dass die Jugendlichen zwar in einer Stadt, aber in "extrem verschiedenen Welten" daheim sind. In dem "schonungslosen Briefwechsel" werde klar, dass zwar beide Frauen in relativ sicheren Verhältnissen leben, aber die "Position der Israeli Odelia" sehr viel einfacher ist als die der Palästinenserin Amal. Odelia kann sich von den "Taten und Entscheidungen" ihrer Regierung distanzieren und trotzdem ihre israelische Identität behalten, was Amal nur schwer gelingen kann, erklärt Wurzenberger. Gerade weil dieses Buch nicht in politischer Korrektheit nach Harmonie strebe und am Ende weder die Zwangsläufigkeit einer "tieferen Freundschaft", noch einer besonderen "Annäherung" zwischen den Frauen entstehe, erklärt Wurzenberger dieses "Experiment" für gelungen.
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