Lola Shoneyin

Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi

Roman
Cover: Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi
Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783864060410
Gebunden, 284 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susann Urban. Herausgegeben von Ilija Trojanow. Lola Shoneyin erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte einer wohlhabenden Familie im heutigen Nigeria, die in eine Krise gerät, als der Patriarch Baba Segi eine junge, gut ausgebildete vierte Frau in seine polygame Ehe bringt. Bolanle ist nicht nur Konkurrentin, vielmehr droht sie, die Geheimnisse der anderen Frauen zu lüften.
Shoneyin beschreibt eine Lebensform, die alle Beteiligten korrumpiert und verbiegt. Jede Frau schluckt zwar die ihr von den Mitfrauen zugefügten Demütigungen, aber unter der Oberfläche brodelt es: Argwohn ist das Gericht, das täglich auf den Tisch kommt, Hinterhältigkeit das Gewürz. Die Frauen müssen sich nicht nur den Mann teilen, ihre Position mit Zähnen und Klauen verteidigen, gleichzeitig ihre Kinder schützen, sondern dabei auch so subtil vorgehen, dass es der Ehemann nicht bemerkt.
Denn eine streitsüchtige Ehefrau fällt in Ungnade. Der Mann wiederum muss die Augen vor den Zwistigkeiten verschließen und seine Zuneigung sorgsam und gleichmäßig unter den Frauen aufteilen. Die ständigen Spannungen vergiften auch die Kinder, die ihrerseits untereinander rivalisieren und den Vater verabscheuen. Exemplarisch steht jede der vier sehr unterschiedlichen Frauen für eine andere Motivation, sich in eine polygame Ehe zu begeben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.12.2014

Erst verärgert, dann begeistert reagiert Rezensentin Shirin Sojitrawalla auf diesen Roman über die Vielehe der nigerianischen Dichterin Lola Shoneyin. Es ist der "jovial aufgekratzte Ton", mit dem Shoneyin über die Vielehe schreibt, der der Rezensentin zuerst mächtig auf die Nerven geht. Das ändert sich jedoch, je tiefer sie einsteigt. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive, alle drei Frauen und auch der Mann kommen zu Wort, jeder hat es offenbar faustdick hinter den Ohren. Dazwischen immer wieder Szenen roher Gewalt, die den munteren Ton kontrastieren, erzählt Sojitrawalla. Am Ende, resümiert die Rezensentin, geht es gar nicht um Vielehe, sondern um Frauenverachtung - "der Männer wie der Frauen selbst".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Ein überaus vergnügliches Romandebüt hat Lola Shoneyin mit "Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi" vorgelegt, berichtet Claudia Kramatschek hingerissen und referiert knapp die Handlung um den Polygamisten Baba Segi und seine vierte Frau, die gebildete Bolanle, die das fragile Gleichgewicht der Vielehe aus dem Lot zu bringen droht. Doch durch die satirischen Szenen hindurch gewährt Shoneyin tiefe Einblicke in die nigerianische Gesellschaft, hebt die Rezensentin hervor, weshalb es sich für sie nicht um sehr viel mehr als einen reinen Unterhaltungsroman handelt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Gräultaten von Boko Haram stellt sich für Kramatschek die Frage, ob über die Rolle der Frau in Nigeria eine screwballartige Geschlechterkomödie erzählen lässt. Unbedingt, wenn die Autorin selbst Nigerianerin ist und so genau weiß, wovon sie spricht - subtil subversive Botschaft inklusive, meint die Rezensentin.
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