Klappentext
Nach dem Tod seiner Mutter versucht Johann, ein altes Tonbandgerät seines Großvaters zu reparieren. Was als technische Herausforderung beginnt, wird zu einer Suche, die ihn immer tiefer in die rätselhaften Aufnahmen hineinzieht. Als Programmierer ist es Johann gewohnt, Fehler in Systemen zu finden nun folgt er den Spuren einer Geschichte, die sich ihm nur bruchstückhaft erschließt. Die Tonbänder erzählen von einem ehemaligen Wehrmachtsobersten und einem stummen Mädchen, Rose. Zwischen Andeutungen und verstörenden Entdeckungen erkennt Johann Verbindungen zur verheerenden Explosion von Prüm im Sommer 1949. Während er in seiner Gegenwart zwischen beruflicher Entfremdung und einer heimlichen Affäre mit der verheirateten Maria taumelt, verdichten sich die Hinweise: Welche Verbindung besteht zwischen seiner Mutter und dem mysteriösen Mädchen? Wer war Rose wirklich? Und was geschah in jenem Sommer?
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.08.2026
Mit diesem neuen Roman kehrt Norbert Scheuer wieder einmal in die Eifel zurück, verrät Rezensent Jörg Magenau, und atmosphärisch überzeugt das auch: Im Zentrum des Buches steht Johann Arimond, der im Nachlass seiner kürzlich verstorbenen Mutter ein Magnetophon mit drei Tonbändern findet, alle drei spielen mehr seltsame Töne als wirklich gesprochene Worte oder gar zusammenhängende Sinnabschnitte ab. Johann hört den Großvater mit einer Frau sprechen, es geht um das titelgebende Holunderholz, das als Instrument klingt, "als würde etwas antworten", so fühlt sich für Magenau denn auch Scheuers Prosa an. Während der Protagonist versucht, sich den Inhalt der Bänder zusammenzureimen und langsam begreift, dass es etwas mit einer Katastrophe eines Sprengstofflagers in der Gegend zu tun haben muss, plätschert sein Leben zwischen IT-Abteilung, Autobahnraststätte und einer Prostituierten vor sich hin, lesen wir. Dem Kritiker ist die minutiöse Aufzählung des Alltäglichen hier etwas zu viel und besonders in der Wiederholung redundant, aber atmosphärisch gefällt ihm das Buch durchaus - er hätte nur gerne gesehen, dass Scheuer die Geschichte der Bänder zu einem weniger offenen Ende bringt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2026
Rezensent Ulrich Steinmetzger fühlt sich längst heimisch in der Eifel - so verdichtet und genau beschreibt Norbert Scheuer die Gegend. Und so freut sich der Kritiker über ein Wiedersehen mit Familie Arimond, auch wenn der Anlass ein trauriger ist: Isabelle, die Mutter von Johann und Klara ist gestorben - im Nachlass entdecken die verstrittenen Geschwister ein Magnetophon, das Licht in die von SS-Mitgliedschaft und Bankrott geprägte Familien- und Lebensgeschichte des Großvaters bringen könnte. Johann, der unglückliche Informatiker, der seine Freizeit zwischen Stundenhotel, Bibliothek und Raststätte verbringt, nimmt sich des Geräts an - Erklärungen für die familiäre Vergangenheit findet er freilich nicht. Dafür ist Scheuer viel zu "gewissenhaft", versichert der Kritiker, dem besonders gefällt, wie der Autor einmal mehr Geschichte und Gegenwart verknüpft - und sogar die tatsächlich verbürgte und nie aufgeklärte Geschichte um die Explosion eines Waffenlagers in der Nachkriegszeit einbaut. Einmal mehr ist Steinmetzger eingenommen von der Mischung aus Spannung, Mythos und Wissenschaftlichkeit.
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