Norbert Kron

Autopilot

Roman
Cover: Autopilot
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446201323
Gebunden, 261 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Michael Lindberg, erfolgreicher Produzent von Fernsehshows, hat sein Leben voll im Griff. Mit einem Mal jedoch wird sein Selbstwertgefühl von unerwarteter Seite angegriffen: er kann keine Kinder zeugen. Von nun an strebt Lindberg nur noch nach einem: sich für die Nachwelt unsterblich zu machen. Zum Beispiel mit dem perfekten Verbrechen...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2002

Meike Fessmann ist von diesem Debütroman tief beeindruckt. Sie preist ihn als "überaus bemerkenswert". Mit der Hauptperson, einem Fernsehproduzenten, dessen Selbstverständnis durch die Feststellung seiner Unfruchtbarkeit untergraben wird, ist dem Autor ein moderner "Homo Faber" des "Medienzeitalters" gelungen, schwärmt die Rezensentin. Fruchtbar findet sie auch Krohns "Wagnis", die "Verblendung" des Protagonisten im Roman nicht aufzulösen. Als "virtuos" preist Fessmann die Dialoge der Hauptfigur mit seiner Lebensgefährtin, in denen beide permanent "aneinander vorbeireden", wobei sie findet, dass diese Gespräche beinahe an "Slapstick" heranreichen. Dabei erweist sich die Metapher des "Fliegens", die Kron für sein Thema gefunden hat, als überaus "treffend", so die Rezensentin begeistert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2002

Es geht in diesem Roman um das Leben und seine medialen Widerspiegelungen, erzählt ein beeindruckter Friedmar Apel. Es geht um den Helden Lindberg, einen Fernsehproduzenten, der das Leben als "zweckorientiertes Spiel mit Codes" zu begreifen und dieses Spiel zu beherrschen lernt. Er wird zum Regisseur seiner eigenen Wirklichkeit - bis sich herausstellt, dass er zeugungsunfähig ist. Damit bricht sein Weltbild zusammen, er findet, so Apel, zur "Wertschätzung des Echten und Auratischen", das er in Akten der Gewalt zu erkennen meint. Apel räumt ein, dass Kron ohne Skrupel "medienkritische Klischees" verwendet, dass die Figuren nicht übermäßig originell sind. Das aber, meint der Rezensent, sei gerade die Absicht dieses "intelligenten Gedankenspiels". Und vor allem gelinge es dem Autor, daraus eine "fesselnde" Geschichte zu entwickeln, die noch dazu mit Gesellschafts- in Form von Medienkritik nicht spare.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.05.2002

In einer ausführlichen Besprechung widmet sich Hubert Winkels dem Romandebüt von Norbert Kron, das er als äußerst respektabel bezeichnet. "Autopilot" gehört für ihn in eine Reihe von Büchern, die sich neuerdings wieder mit der Arbeitswelt beschäftigen. Keiner proletarischen, sondern einer technisch hochgerüsteten Dienstleistungsbranche mit hochqualifizierten Mitarbeitern. Der Held aus "Autopilot" ist so ein typischer Medienarbeiter, er entwirft fürs Fernsehen Talkshow-Formate. Krons Stärke, behauptet Winkels, besteht darin, diese Scheinwelt Fernsehen genau zu beschreiben: in minutiösen Abläufen und Zusammenhängen. Den beruflichen Erfolg kränkt privat die Feststellung der Zeugungsunfähigkeit, und wie Kron die psychologischen Folgen im Streit mit der Freundin herausarbeitet, gefällt Winkels sehr. Auf dieser formal konventionellen Ebene funktioniert der Roman für ihn ausgezeichnet. Ihn stört vielmehr die abstrakte, schematische Anordnung, die zu einer übermotivierten Illustration des Reproduktions- und Mediendiskurses gerate. Zu wenig Eigenleben bescheinigt Winkels den Figuren des Romans, der trotz aller handwerklichen Finessen ein wenig unter dem Übereifer seines Verfassers leide.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2002

Es lohnt sicht, rät Jochen Hörisch, Fernseher, Computer und anderes elektronisches Gerät abzuschalten und stattdessen nach dem Romandebüt von Norbert Kron zu greifen. Der thematisiert darin auch die Medien, aber führt, berichtet der Rezensent, sämtliche Diskurse über Altersstruktur, Gentechnologie und die Medien selbst "elegant" zusammen und mit seinem Held Michael Lindberg ad absurdum. Der, ein "erfolgsverwöhnter Programmdesigner", will der Fernsehgesellschaft richtig eins auswischen und präsentiert dem Publikum frisch aus dem Gefängnis entlassene Gewalttäter, die über ihre Taten sprechen sollen. Doch dem Helden wächst sein Konzept über den Kopf. Die Geschichte sei spannend und souverän erzählt, lobt Hörisch, auch wenn sie an manchen Stellen stilistische Einbrüche verkraften müsse. "Ein beachtliches Debüt", staunt der Rezensent.

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