Nora Bossongs Gedichte, allesamt schräge Idyllen und märchenhafte Ausflüge in die Welt und die Geschichte, bieten für vieles Platz: Die norddeutsche Kindheit, vorgetäuschte Paradiese, heilige Geschichten, die nicht immer heilig enden. Ihre Lyrik zeigt: Man muss nur die Augen aufmachen und Worte finden, um die Welt neu zu entdecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2011
Wulf Segebrecht ist durchaus angetan von Nora Bossongs Gedichtband "Sommer vor den Mauern". Er hält die 1982 geborene Autorin für "eine der größten Begabungen" unter Deutschlands Nachwuchliteraten. Thematisch umspannen ihre Gedichte ein weites Feld, wie der Rezensent mitteilt: niedersächsischen Protestantismus, reihenweise Päpste, Beobachtungen in der Türkei, China und New York, den erschossenen Mussolini und den betrogenen Apoll. Beim Entschlüsseln der zahlreichen Bezüge hat dem Rezensenten ein Anmerkungsapparat geholfen, der dem Buch angehängt ist. Segebrecht erachtet ihn stellenweise als dringend nötig und demnach zu Recht beigefügt, meint aber auch, dass die herausragendsten Gedichte diejenigen sind, die auf Anmerkungen gänzlich verzichten. Wie die Autorin es allerdings zustande bringt, ihre Texte gleichzeitig mit Fußnoten zu versehen und sie dennoch "scheinbar beiläufig mit Bedeutung aufzuladen", muss dem Leser der Kritik ein Rätsel bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.03.2011
Tobias Lehmkuhl bewundert die souveräne Leichtfüßigkeit, mit der Nora Bossong ihr poetisches Material organisiert. Dass sie dabei mit äußerst wenig auskommt, ist keiner artifiziellen Verknappung geschuldet, es geht ihr weniger um Präzision und Trennschärfe, als um "Mischungsverhältnisse, Reibungsflächen und heftige Reaktionen", die miteinander in Beziehung treten und bewegliche und wachsende Assoziationsräume schaffen. Ihre Gedichte schweben, entgegen der Strömung in der zeitgenössischen Lyrik, ganz unkonkret im Irgendwo (in einem italienischen Tal, in der deutschen Provinz) und Flüchtigen, getragen von jambischem Versmaß in "flottem Tempo", schwärmt der Rezensent.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…