Nina Kleinschmidt, Henri Wagner

Endlich unsterblich?

Gunther von Hagens - Schöpfer der Körperwelten
Cover: Endlich unsterblich?
Lübbe Verlagsgruppe, Bergisch-Gladbach 2000
ISBN 9783404604937
Broschiert, 400 Seiten, 10,12 EUR

Klappentext

5 Millionen Menschen haben bis jetzt seine Ausstellung "Körperwelten" gesehen - Tokio, Mannheim, Wien, Basel, Köln, danach Oberhausen, Berlin, Niederlande, Amerika. Der Professor verwandelt die Körper toter Menschen in Plastinate. Das heißt bei ihm "Schau-Anatomie". Faszinierend für die Massen. Ehrfürchtige Bewunderung bei den Medizinern. Unversöhnliche Gegnerschaft kirchlicher Würdenträger. Leichenfledderei? Verletzung der Menschenwürde oder der erfolgreiche Versuch, die Menschen des 21. Jahrhunderts auf demokratische Weise zum kompetenten Widerpart des Medizinbetriebs zu machen? Gunther von Hagens, der als Junge ein Kalb zerlegte, um den Blutkreislauf zu verstehen, wird in diesem Buch ebenso zu Wort kommen wie zukünftige Körperspender, Anhänger und Gegern dieses kontroversen Genies.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2001

In einer Doppelrezension bespricht Ernst Horst zwei Bücher, die sich mit dem Plastinator Gunter von Hagens und seiner Ausstellung "Körperwelten" befassen - zwei Bücher, "wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten".
1.) Nina Kleinschmidt, Henri Wagner: "Endlich unsterblich?" (Bastei Lübbe Taschenbuch)
Für den Rezensenten handelt es sich hier, kurz und knapp gesagt, um eine Hagiografie. Kritik an von Hagens wird demnach nicht laut, im Gegenteil. Zwar scheint es Horst recht interessant zu finden, dass die Autoren auch die Familie von Hagens und Körperspender wie die Schauspielerin Cleo Kretschmer befragt haben. Doch wurde er den Verdacht nicht los, dass dieses Buch "nur Teil des Kalküls" war - es gehe letztlich darum, dass von Hagens sich hiermit Geld für weitere Projekte beschaffe. Die Autoren, die von Hagens bei einer Reise nach Kirgistan und China begleitet haben, bezeichnet Horst als "Fans mit einem Hang zur Albernheit", die es für wichtig erachten, dem Leser mitzuteilen, was von Hagens etwa beim Zähneputzen eingefallen ist. Wirklich substanzhaltig scheint der Band in den Augen des Rezensenten demnach nicht zu sein.
2.) Franz Josef Wertz, Brigitte Tag (Hrsg.): "Schöne Neue Körperwelten" (Klett-Cotta)
Horst scheint es sehr zu begrüßen, dass in diesem Band weniger die Person von Hagens im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Sache selbst. Und so wird hier, wie der Leser erfährt, in den Beiträgen von sechzehn Wissenschaftlern ordentlich gestritten, bis "die Fetzen fliegen". Dies gefällt dem Rezensenten durchaus, auch wenn er an der Diskussion "etwas spezifisch Deutsches" kritisiert und den meisten Autoren eine Portion Dogmatismus attestiert. Doch angesichts des "hagiografischen" Bandes "Endlich unsterblich?" freut sich Horst, dass die Vertreter so ganz unterschiedlicher Disziplinen hier auch einmal die moralischen Aspekte zum Plastinieren von Leichen debattieren.
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