Nikolaus Wachsmann

Gefangen unter Hitler

Justizterror und Strafvollzug im NS-Staat
Cover: Gefangen unter Hitler
Siedler Verlag, München 2006
ISBN 9783886808281
Gebunden, 623 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Über nationalsozialistische Konzentrationslager ist viel geschrieben worden, die Gefängnisse des Hitler-Staats aber blieben bisher unbeachtet. Mit seiner ebenso fundierten wie beklemmenden Gesamtdarstellung lotet Nikolaus Wachsmann die Rolle des Strafvollzugs im NS-Herrschaftssystem aus. Dadurch erhält eine bisher vernachlässigte Gruppe von Opfern des Nationalsozialismus Gesicht und Stimme.In den Jahren von 1933 bis 1942 waren sehr viel mehr Menschen in den Gefängnissen der Nationalsozialisten inhaftiert als in den Konzentrationslagern. Wer das Terrorsystem des »Dritten Reichs« verstehen will, muss diesen bisher vernachlässigten Aspekt nationalsozialistischer Verfolgungs- und Gewaltmaßnahmen in den Blick nehmen. Nikolaus Wachsmann hat diese Forschungslücke durch seine Darstellung geschlossen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.09.2007

Hohe Anerkennung zollt Dietmar Süss dieser Studie über den Strafvollzug im Nationalsozialismus von Nikolaus Wachsmann, ein bislang kaum bearbeitetes Thema. Um so mehr begrüßt er die auf zahlreichen Quellen basierende Arbeit, die seines Erachtens nicht nur eine überzeugende Darstellung der Politik der zentralen Reichsbehörden und NSDAP-Organe sowie des Polizei- und Justizapparats bietet, sondern auch den Alltag der Häftlinge und das brutale System aus Abschreckung und Ausbeutung, Terror und Vergeltung beleuchtet. Deutlich wird für Süss, wie Gerichte und Strafanstalten die Kriminalität politisierten und die Haftanstalten zum "Exerzierfeld der Gewalt" machten. Er bescheinigt dem Autor zudem, die kritik- und reibungslose Zusammenarbeit von Justiz und Polizei mit dem NS-System herauszuarbeiten. Dabei hebt er insbesondere Wachsmanns Befund hervor, dass Richter, Aufseher und Gefängnisdirektoren trotz ihres Handlungsspielraums den Strafvollzug von sich aus im Sinne der NS-Machthaber radikalisierten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.07.2007

Insgesamt gute Noten vergibt Rezensent Uwe Wesel an diese erste Studie über den Strafvollzug in Nazideutschland, die er zum Standardwerk erhebt und in eine Reihe mit den wegweisenden Studien zur NS-Justiz von Lothar Gruchmann und Bernd Rüthers stellt. Dem in London lehrenden deutschen Historiker bescheinigt Wesel "sorgfältige Durchsicht der Archive" und lobt die ausführliche Beschreibung des Strafvollzugssystems und seiner Verschärfung. Zwar hat er gelegentliche Kritik an Details. So ist ihm die Beschreibung des Abgabensystems der Gefängnisse etwas zu ungenau. Insgesamt kann das der hohen Qualität und der wissenschaftlichen Bedeutung dieser Studie jedoch nichts anhaben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2007

Überzeugend findet Klaus-Dietmar Henke diese Studie über "Justizterror und Strafvollzug" im Dritten Reich, die Nikolaus Wachsmann vorgelegt hat. Sie verdeutlicht für ihn die Bedeutung der biologistischen Auffassung der Gesellschaft im Nationalsozialismus, die sich äußerte im Projekt der gewaltsamen Gesundung des "Volkskörpers". Wachsmanns Untersuchung der Rolle von Justiz und Strafvollzug im Blick auf diesen Punkt scheint ihm überaus aufschlussreich. Er bescheinigt dem Autor, eindrücklich zu zeigen, wie schnell sich die Justiz mit den neuen Machthabern nicht nur arrangierte, sondern sich zunehmend in eifriger Vorwegname des Führerwillens übte und konsequent an der Auflösung des rechtlichen Normengefüges arbeitete. Besonders hebt Henke auch den zweiten Schwerpunkt der Untersuchung hervor, die "erschütternde, bislang wenig beachtete Geschichte" des Strafvollzugs im Dritten Reich, die vor Augen führt, wie sich die Gefängnisse nach 1933 zu einem Hauptinstrument nationalsozialistischer Gewaltherrschaft entwickelten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.01.2007

Rezensent Horst Meier ist auf mehreren Ebenen beeindruckt von diesem Buch über den Strafvollzug in der Nazizeit. Was der Autor Nikolaus Wachsmann hier zusammengetragen hat, schließt Meiers Meinung nach nicht nur eine Forschungslücke, sondern ist zugleich ein ebenso "mitfühlendes" wie "kluges Buch, das den immensen Stoff souverän bewältigt, das spannend erzählt, kühl analysiert und vielschichtig argumentiert". Eine Erkenntnis, die der Rezensent aus der Lektüre zieht, ist, dass die Rolle der Jurisdiktion tragender für den Terrorstaat war, als das bislang gemeinhin angenommen wurde. Auch wenn das Leben im Gefängnis nicht ganz mit dem Sterben in den Konzentrationslagern vergleichbar war, so ging es dort doch wesentlich brutaler zu als gemeinhin angenommen.
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