Nick Hornby

Miss Blackpool

Roman
Cover: Miss Blackpool
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2014
ISBN 9783462046908
Gebunden, 432 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Isabel Bogdan und Ingo Herzke. Anfang der 60er: Barbara nimmt die Wahl zur "Miss Blackpool" nicht an, als ihr aufgeht, dass sie dann ein weiteres Jahr in diesem verschlafenen Provinzstädtchen verbringen müsste. Stattdessen zieht sie nach London, ins Herz der neu entstehenden Popkultur, um Komikerin zu werden. Was zunächst aussichtslos erscheint, wird Wirklichkeit, und die Truppe rund um die beiden Drehbuchschreiber Tony und Bill, den Produzenten Dennis sowie Schauspielkollegen Clive ersetzt Barbara fortan die Familie. Alle sind von der Idee besessen, aus ihrer Sitcom einen Riesenerfolg zu machen, was ihnen trotz privater großer und kleiner Katastrophen auch gelingt. Doch was passiert, wenn Schönheit und Ruhm mit der Zeit verblassen? Ein Buch über ganz große Auftritte, lebenslange Freundschaft und die große Liebe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2014

Böse sein kann Jochen Hieber dem Autor nicht, dafür schreibt Nick Hornby einfach zu gute, filmreife Dialoge. Hornbys neuer Roman schrammt für Hieber trotz aller Sympathie allerdings nur ganz knapp an einem Totalärgernis vorbei. Derart dünn, meint Hieber, ist die Story um die Karriere eines jungen Busenwunders im Swinging London der 60er, derart folkloristisch bzw. "stillgestellt" gerät dem Autor das Zeitkolorit. Eine Lebenswelt wie im Aquarium, stichelt Hieber. Nur einmal am in der Gegenwart spielenden Schluss gelingt Hornby mittels der Retroperspektive der Heldin ein melancholisch-heiteres und ironisches Erzählfest, so Hieber.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2014

Nick Hornbys neuer Roman "Miss Blackpool" hat Christian Mayer ausgesprochen gut gefallen. Einmal mehr erlebt der Rezensent Hornbys Protagonisten bei der unvermeidlichen Selbstentblößung, in diesem Fall den Literaturkritiker Vernon, der in der Talkshow des Sitcom-Produzenten Dennis eingeladen ist - welchem er zuvor die Frau ausspannte. Hingerissen liest Mayer den Kulturkampf im London der sechziger Jahre, erlebt hier eine nahezu historische Erzählung über die Macht des Fernsehens und lobt den Autor für das gelungene Spiel mit Realität und Fiktion. Unterhaltsam und herrlich ironisch erscheinen dem Rezensenten auch die weiteren Figuren: die eigentliche Hauptfigur Barbara etwa, die die Hauptrolle in der Sitcom, die immer mehr zu ihrem Leben wird, spielt oder das homosexuelle Drehbuchautoren-Paar, das mit Ehrgeiz und Seifenoper-Dialogen kämpft. Leider muss der Kritiker allerdings auch zugeben, dass Hornbys Figuren bisweilen an Schärfe verlieren. Nichtsdestotrotz lobt er den Autor als hervorragenden Chronisten einer untergegangenen Fernsehwelt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2014

Nick Hornbys Romane repräsentierten in den Neunzigern so etwas wie den "Literaturkonsens" der Zwanzigjährigen, erinnert sich Moritz von Uslar, seine Bücher waren der Inbegriff von Pop, leicht, lustig, vorwärtsgewandt. Viele seiner Romane sind seitdem verfilmt worden, weiß der Rezensent, der bei Hornbys neuestem Roman jedoch das Gefühl hat, dass der Autor dieses mal zu sehr im Hinblick auf eine kommende Verfilmung geschrieben hat. "Miss Blackpool" ist kein starker Hornby, findet von Uslar. Die junge, intelligente, ehrgeizige Protagonistin, die im London der Sechziger zum Star einer Comedy TV-Show aufsteigt, scheint die Empathiefähigkeit des modernen Proto-Großstadtmannes Hornby überzustrapazieren, das britische Fernsehen scheint dem Autor als Metier nicht im gleichen Maße zu liegen wie etwa die Popmusik, und, was den Rezensenten besonders wundert, die Witze funktionieren nicht wie gewohnt.
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