Doris Lessing

Ein süßer Traum

Roman
Cover: Ein süßer Traum
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2003
ISBN 9783455043877
Gebunden, 527 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Christ. Während der fanatische Kommunist und brillante Agitator Johnny sich den "großen und wichtigen" Dingen des Lebens widmet - neben der Politik ständig wechselnden Liebesverhältnissen -, überlässt er seiner Mutter sowie seiner Ex-Frau Frances die Verantwortung für die beiden Söhne. Und Frances kümmert sich im London der sechziger Jahre nicht nur um den eigenen Nachwuchs. Eine ganze Schar von Jugendlichen findet in ihrem Haus Zuflucht und versammelt sich regelmäßig um den großen Küchentisch. Dieser Tisch ist das Herzstück der bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft: Hier wird gegessen, gelacht, über private Probleme und immer wieder über Tagespolitik, Ideologien und gesellschaftliche Utopien gesprochen. Während dieser Zusammenkünfte kommen sich drei Frauengenerationen immer näher: Frances, ihre Schwiegermutter Julia und die junge Sylvia, die Jahre später als Missionsärztin nach Afrika aufbricht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2011

Nein, ein Roman ist das nicht, beschwert sich die Rezensentin, allenfalls plumpe Ideologiekritik mit stereotypen Gut- und Bösemenschen. Aus der ambitionierten Konstruktion, die Londoner Salonkommunismus und seine Umsetzung in einem afrikanischen Fantasiestaat über drei Generationen miteinander verbindet, macht Doris Lessing laut Ingeborg Harms aber auch rein gar nichts Goutierbares. Stereotype, kaum menschliche Figuren, säuberlich aufgeteilt in verklemmte Selbstlose und promiske "Freibeuter", und eine für Harms nur schwer nachvollziehbare Schicksalsphilosophie als Urgrund der Unterschiede tischt Lessing auf. Für Harms eine Sozialreportage, abgründig wie ein Blatt Papier.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.05.2004

Doris Lessing, resümiert die Rezensentin Meike Fessmann deren Werk, schreibt Bildungsromane. Und zwar in dem Sinne, dass sie stets das "Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft" reflektiert und ihren Blick bevorzugt auf Herannwachsende richtet. Ihr jüngster Roman nimmt wieder einen historisierenden Blick ein, doch hat er der Rezensentin überhaupt nicht gefallen. Erstens, schreibt sie, sei es ein unentschlossener Zwitter von Autobiografie und Roman. Zweitens finde der Leser darin ein wüstes "Durcheinander" von Gegenständen, Zeiten und Klischees vor, dass Fessmann der Verdacht kam, Lessing habe "am Ende des Lebens noch rasch die Themen" einsammeln wollen, die noch unbearbeitet waren. Es geht um eine verlassene Ehefrau und Mutter, durch deren Leben und Haus "allerlei zeittypische Figuren" der 60er und 70er Jahre geistern - und damit, so Fessmann, um das "Befremden, das aus historischem Abstand entsteht". Doch leider sei das Ganze misslungen und bleibe deutlich unter Lessings gewohntem Niveau.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003

Dieses Buch vereinigt der Rezensentin Bernadette Conrad zufolge etliche Lebensthemen Doris Lessings - die Zukunft der menschlichen Gesellschaft, die politische, soziale Illusion und ihre Enttäuschung, Afrika als Spiegel der Welt und ihrer Probleme. Es stelle außerdem ihre Meisterschaft in der Darstellung dessen, woran die Welt krankt, unter Beweis. Dennoch mag Conrad den Roman nur mit Abstrichen als gelungen bezeichnen. Es geht um desillusionierte Frauen in einem fiktiven afrikanischen Staat, die unermüdlich weiter daran arbeiten, Kaputtes zu reparieren. Diese Frauen sind "neurotische Hegende", in denen Conrad ein dreifaches Alter Ego der Autorin erkannt hat: Francis, die als reife Frau schreibend und liebend zu sich findet, Julia, die an der politischen Ignoranz ihres Sohnes und seiner Generation verzweifelt, und Sylvia, die sich als Ärztin für die Armen aufopfert. So stark der Roman jedoch als lebensweltliche und politische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Welt sei, so sehr seien ihm aber auch seine Schwächen anzumerken, wenn es um Stil und Figurenzeichnung geht: hier gerate viel "grob Gestricktes" und Halbgares in den Blick. Dennoch: Ein lohnenswertes Buch, das "überraschend bleibt bis zum Schluss", schreibt Conrad.