Aus dem Amerikanischen von Daniel Beskos und Karen Köhler. Sabrina verschwindet. Und dieses Ereignis zieht ein Netz aus Verschwörungstheorien und politischer Stimmungsmache nach sich, in dem sich auch Calvin Wrobel verheddert. Er hat sich entschlossen, Sabrinas Lebensgefährten - und seinen Freund aus Schultagen - bei sich aufzunehmen, um ihm beizustehen, wohl ahnend, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird. Als ein grausames Video im Internet auftaucht, wissen wir, dass er furchtbar richtig lag.
Rezensent Ralph Trommer war zunächst irritiert von den sterilen Zeichnungen in dieser Graphic Novel, hat dann aber verstanden, dass sie zum Konzept des Autors gehören. Die Geschichte um die Hinterbliebenen der verschwundenen Sabrina, junge Leute um die 30, soll ein gnadenloses Psychogramm der amerikanischen Lebenswelt sein, erklärt der Kritiker, und die karge Optik bei der Fokussierung auf das Wesentliche helfen. Bei dem Rezensenten scheint das gut zu funktionieren. Weil die Medien Verschwörungstheorien verbreiten, werden Sabrinas Lebensgefährte, dessen bester Freund und Sabrinas Schwester bald geächtet und bedroht, erzählt Trommer. Ihm zufolge steuern die Leser*innen mit den Figuren unausweichlich auf die Katastrophe zu und die reduzierte Ästhetik unterstützt den "finsteren Sog", in den Drnaso die Leser*innen stürzt. "Äußerst raffiniert", findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2020
Andreas Platthaus lobt die Übersetzung von Nick Drnasos Comic durch Karen Köhler und Daniel Beskos. Das Übersetzerteam trifft den Ton, findet er. Kein Leichtes, angesichts der Textmenge und Stimmenvielfalt im Band, meint er. Die Geschichte um den medial vermittelten Ausnahmezustand nach einem brutalen Mord in Chicago erzählt der Autor für Platthaus mit viel Sinn für Geräusche, detailgenau und meisterhaft komponiert. Die statischen Zeichnungen erinnern Platthaus an Chris Ware. Vom Leser und Betrachter fordert die textzentrierte Erzählung mit ihren "reduzierten" Figuren einige Aufmerksamkeit, erklärt er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.09.2019
Frank Meyer kann die Begeisterung für Nick Dmasos Graphic Novel gut verstehen. Die nicht lange nach dem 11. September 2001 spielende Geschichte um das Verschwinden der titelgebenden Figur und die Paranoia eines ganzen Landes konfrontiert ihn mit einer wahren Horrorshow an Szenen und Bildern, die ihn nicht mehr loslässt. Wie der Autor den Horror in eine Geometrie der Räume fasst, in den ausdruckslosen Gesichtern seiner Figuren und einer latent bedrohlichen Atmosphäre spiegelt, findet Meyer stark. Der Rezensent verspürt ein geradezu preiswürdiges Unbehagen während und nach dieser Erfahrung.
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