Nicholas Potter

Die neue autoritäre Linke

Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft
Cover: Die neue autoritäre Linke
dtv, München 2026
ISBN 9783423264488
Kartoniert, 256 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Sie gibt sich progressiv, tritt aber seit dem Angriff der Hamas auf Israel zunehmend demokratiefeindlich auf: die neue autoritäre Linke. Mit dogmatischem Eifer deutet sie radikalislamistische terroristische Gewalt zum dekolonialen Widerstand um. Propaganda und Desinformation autokratischer Regime oder zweifelhafter "Alternativmedien" nimmt sie bereitwillig auf. Wer widerspricht, gilt schnell als Feind, gegen die Presse schürt sie Hass - bis hin zu Mordaufrufen. Der Journalist Nicholas Potter gibt durch investigative Recherchen und seine persönliche Geschichte Einblicke in das Innerste dieser Bewegung. Er deckt das Netz der neuen autoritären Linken auf, zeigt, wie sie agiert, und fragt: Sind wir als demokratische Gesellschaft darauf vorbereitet?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2026

Rezensentin Birgit Schmid liest vieles, was Nicholas Potter in seinem neuen Buch über die Entgleisungen mancher Linker zusammenträgt, nicht zum ersten Mal, allerdings "schürfe" der taz-Journalist immer noch etwas tiefer. Die beunruhigende Radikalisierung von Teilen der Linken hat der Journalist, den Schmid zum Online-Gespräch trifft, am eigenen Leib erfahren, als er wegen seiner Kritik an manchen Praktiken massiv bedroht wurde, in Berlin tauchten Sticker mit seinem Gesicht und Todesdrohungen auf. Detailliert untersucht der Autor die Ursachen für die Gewaltbereitschaft und das Schwarz-Weiß-Denken: dogmatische Tendenzen wie diese glaubte man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion für überwunden, nun erstarken sie wieder, so die Kritikerin. "Akribisch" habe Potter die Vernetzungen von AktivistInnen im Netz nachgezeichnet, die sich auch von Hamas- oder Hizbollah-Propaganda radikalisieren lassen, aber auch russische Propaganda-Kanäle spielten eine Rolle. Auch für die Demokratie ist diese Entwicklung gefährlich, resümiert Schmid, denn eine progressive Linke ist wichtig für die Gesellschaft. Hier geht also jemand mutig voran und zeigt, was getan werden muss, aber auch welchen Preis solch ein Engagement haben kann, schließt die Kritikerin. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2026

Rezensent Peter Laudenbach ist entsetzt, aber nicht überrascht darüber, was er bei Nicholas Potter über autoritäre Strömungen in der politischen Linken liest. Der taz-Journalist Potter schreibt aus eigener Erfahrung - seitdem er über eine antiisraelische Webplattform mit Verbindungen nach Russland berichtete, ist er heftigen Anfeindungen bis hin zu Gewaltandrohungen aus der linksradikalen Szene ausgesetzt. In seinem Buch zeigt er auf, wie Teile der radikalen Linken gemeinsame Sache mit den Islamisten von der Hamas und anderen Gruppierungen machen. Außerdem ordnet Potter diese Strömungen in eine linke, antiimperialistische Tradition ein, die schon immer in strikten Freund-Feind-Schemata dachte, lesen wir. Laudenbach zieht Verbindungen zwischen Potters Buch und anderen Veröffentlichungen zum Thema unter anderem von Jeffrey Herf und zitiert Habermas, der schon vor Jahrzehnten vor ähnlichen Phänomenen im progressiven Lager warnte. Am besprochenen Buch hat der Rezensent nicht das Geringste auszusetzen.

Buch in der Debatte

9punkt 20.04.2026
Nicholas Potter hat nach dem 7. Oktober den entfesselten Antisemitismus linker Gruppen beobachtet und darüber ein Buch geschrieben. Der Antisemitismus der Linken ist nichts Neues, sagt er im Gespräch mit Hannes Soltau vom Tagesspiegel, die Muster sind seit 1967 überliefert. Potter denkt auch über darüber nach, wie man überhaupt noch sinnvoll behaupten kann, "links" zu sein. Unser Resümee
9punkt 08.04.2026
Der taz-Journalist Nicholas Potter wird für seine Positionen massiv angefeindet (unsere Resümees): In seinem neuen Buch "Die autoritäre Linke" untersucht er den neuen Dogmatismus und häufig auch Antisemitismus, der sich vor allem in den Positionen zum Nahostkonflikt widerspiegelt. In der NZZ resümiert Birgit Schmid: "Mit dem Begriff 'autoritär' spielt er auch auf die 68er Bewegung an, deren Angehörige mit einer antiautoritären Haltung gegen die Elterngeneration rebellierten und ihr ihr Mitläufertum während des NS-Regimes vorwarfen." Unser Resümee
9punkt 14.03.2026
Ohne sich dessen bewusst sein - denn die meisten Angehörigen dieser Generation sind nicht unbedingt belesen - wiederholen sich in der Mobilisierung der Gen Z für Gaza Muster des guten alten Antiimperialismus, ist taz-Journalist Nicholas Potter überzeugt, der in einem neuen Buch "Die neue autoritäre Linke" untersucht.  Unser Resümee

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