Der 7. Oktober 2023 ist Israels 9/11, der blutigste Tag für Juden seit der Schoa. Er wirkt weit über Israel hinaus. Seitdem ist auch in Deutschland die Zahl der antisemitischen Übergriffe stark gestiegen, Propaganda besonders aus dem islamistischen Milieu verbreitet sich rasant (auch) über Social Media. Gleichzeitig wird die Art und Weise, die Kultur, wie wir an das Menschheitsverbrechen Schoa erinnern, infrage gestellt. Einerseits ist revisionistisch von einem "Schuldkult" die Rede, von anderen wird die Schoa unter "postkolonialen" Vorzeichen relativiert. Dieser Band versammelt Reden, Gastbeiträge, Interviews und einen bisher unveröffentlichten Essay von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Zeitraum vom 7. Oktober 2023 bis zum 27. Januar 2025, dem 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.
Man soll nicht denken, so Rezensent Sebastian Engelbrecht, das bei diesem Band nicht viel herumkommt, nur weil er journalistische Kurztexte versammelt. Denn die Kommentare, Reden und Interviews Josef Schusters zeigen, findet Engelbrecht, wie schwer Juden in Deutschland es derzeit haben. Der Vorsitzende des Zentralrats der deutschen Juden weist auf den grassierenden Antisemitismus hin, unter Rechten, Linken und vermehrt auch unter Muslimen, wobei seine Ausführungen, erläutert Engelbrecht, weniger auf die jüdische Geschichte abzielen als auf die deutsche Demokratie. Denn eben die sei laut Schuster momentan gefährdet. Der Autor, lernen wir, fühlt sich als Deutscher, ist aber gleichzeitig froh, in Israel einen sicheren Hafen zu haben, die mangelnde Empathie der deutschen Bevölkerung erschüttert ihn nun in seinem Selbstverständnis. Das eindrückliche Buch endet, schließt der Rezensent, mit einem Bekenntnis zu einem stolzen, selbstbewussten Judentum.
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