Ulrike Draesner

doggerland

Gedicht
Cover: doggerland
Penguin Verlag, München 2021
ISBN 9783328601661
Gebunden, 184 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Doggerland: ein Delta von der Größe Deutschlands, Herz Europas am Zusammenfluss von Themse und Rhein, Zentrum der steinzeitlichen Welt. Vor rund 8500 Jahren in einem Tsunami untergegangen, wird dieses Grenz- und Verbindungsland für Ulrike Draesner zum Ausgangspunkt wesentlicher Fragen des Menschseins: Wie bildete sich Gemeinschaft, wer hatte die Idee, Tiere zu zähmen, was machte man mit dem "fremden" Neandertaler? Auch Kunst, Liebe und Sprache mussten erfunden werden. Oszillierend zwischen Deutsch und Englisch, zwischen gebundener und freier Rede, wirft Draesners Gedicht einen Blick zurück: vom immer wahrscheinlicheren Ende des Holozäns zu unseren Anfängen. Eine von jahrhundertealten, meist männlichen Vorstellungen befreite lyrische Suche nach unseren Wurzeln.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.11.2021

Rezensent Andre Hatting hält Ulrike Draesners Langgedicht für außergewöhnlich, ein Zwitter zwischen Kunst und Wissenschaft, mit dem die Autorin jenes Gebiet zwischen Themse und Rhein erkundet, in dem es in der Steinzeit brodelte und der Mensch in die Gänge kam, zur Sprache und zum Handwerk. Hatting fühlt sich an die Grenzen von Wissen und überkommenen Vorstellungen geleitet, wenn Draesner feststellt, dass auch Frauen auf die Jagd gingen und Männer Körner mahlten. Das Märchen vom Steinzeitleben stellt Draesner nicht nur in feministischer Hinsicht infrage, meint Hatting. Gelehrt wird das Gedicht auch durch die Form, erklärt er: Die Verse sind gerahmt von deutschen und englischen "Stich-, Reiz- und Echoworten".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021

Tobias Lehmkuhl folgt Ulrike Draesner gebannt nach Doggerland, gelegen zwischen England und dem Kontinent, wo Homo sapiens und Neanderthaler sich ein Stelldichein geben und ein Ursüppchen kochen aus Lauten, Silben, Worten, wo Sprache und Bewusstsein, die Liebe und das Rad sich entwickeln. Das geht nicht immer wohllautend vonstatten, warnt Lehmkuhl, sorgt aber für Aufregung beim Leser dieses epischen Langgedichts. Wie der Umstand, dass hier alles im Fluss ist, sich in Draesners Versen widerspiegelt, findet der Rezensent gelungen. Dazu passt die offene Haltung der Autorin, die nichts Definitives beschreibt und auch nicht esoterisch wird, sondern quasi selbst unsicher im Urschlamm stochert: So könnte es gewesen sein. Die zweisprachige Anordnung mit Haupttext mittig und englischer beziehungsweise deutscher "Wortschiene" rechts und links davon, macht für den Rezensenten Sinn.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2021

Rezensent Tilman Spreckelsen folgt Ulrike Draesner bei ihrem lyrischen Ausflug nach Doggerland, diesem Delta, wo in der Mittelsteinzeit allerhand los war, wie der Rezensent feststellt. Zum Beispiel erfand man daselbst die Geierknochenflöte und eine Sprache, die Draesner dem Leser laut Spreckelsen akribisch nahezubringen sucht. Der Wechsel aus auf das Physische abzielender Beschreibung und sprachwissenschaftlicher Erkundung macht das Langgedicht für Spreckelsen reizvoll und Doggerland für ihn geradezu zum "Sehnsuchtsort".
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