Navid Kermani

Vierzig Leben

Cover: Vierzig Leben
Ammann Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783250600688
Gebunden, 205 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch handelt vom Glück. Von der Freiheit. Von der Würde. Und siebenunddreißig weiteren Königswörtern, bekannt aus Andacht und Werbung, die Navid Kermani literaturhistorisch schüttelt, philosophisch zersägt und eiskalt gegen die Wand schmeißt um am Ende jene Winzigkeit wundervoll poetisch ausgekratzt zu haben, die an ihnen noch sagbar ist, ohne zu relativieren. Wie groß diese Winzigkeit ist, wie unendlich: Holgers Sehnsucht nach der Dunstabzugshaube im Saturn (oder ist es die Sehnsucht nach der blaugewandeten Verkäuferin?). Adornos Wahrheit in der Falschheit seines Whiskysatzes. Überhaupt Whisky. Und die Demut am Tresen. Und Fußball natürlich, der jämmerliche 1.FC Köln. Was kann es da noch mehr geben? Allenfalls Sex, und Anke Pannkes Tapferkeit im witzfreien Ehebett. Spätestens aber, wenn Jesus durch den Deutzer Planet Büschel schreitet oder Thorsten den Tod in Gegenwartsform schildert, weiß man, daß Heilige verschroben, gottlos oder tieftraurig sein mögen, nur eines nicht:harmlos.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.08.2004

Kurz sind Navid Kermanis Geschichten, "Miniaturen", die sich für die großen Linien interessieren, nicht für die Ausschmückung im Detail. Was nicht heißen soll, da will der Rezensent Hans-Peter Kunisch keinen falschen Eindruck aufkommen lassen, dass es hier ums große philosophische Ganze geht. Auf den ersten Blick banal nämlich ist das, was Kermani für des Erzählens an jedem der vierzig Leben wert befindet. Das aber sei, der "Sorgfalt und Genauigkeit" wegen, mit der er dabei vorgehe, gerade die Stärke des gänzlich "unprätentiösen" Buches. Kermani erzählt von Leuten, tendenziell wie du und ich: ein Filmvorführer, der die Pausen zwischen den Filmen bevorzugt, einem Mann, der sich sinnlos verliebt und verkommt. Die "Unerbittlichkeit" der Geschichten komme "freundlich" daher, aber das täusche durchaus, warnt unser Rezensent. Und nur dass das Skurrile manchmal zu sehr die Oberhand gewinnt, hat ihn ein wenig gestört. Der Gesamteindruck aber ist ein sehr positiver.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Mehr Bücher aus dem Themengebiet