Deutschland ist nicht nur faktisch zu einem Einwanderungsland geworden, sondern auch seinem Selbstverständnis nach. Unsere Gesellschaft lässt sich als "postmigrantisch" beschreiben. "Post" steht dabei nicht für das Ende der Migration, sondern für die gesellschaftlichen Prozesse und Kämpfe, die in der Phase nach der Migration erfolgen: politisch, wirtschaftlich, kulturell.Naika Foroutan hat dazu wegweisende Studien vorgelegt. Sie hat aber auch kontinuierlich Essays publiziert, in denen sie ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse mit Alltagsbeobachtungen und -erlebnissen verknüpft. Die vorliegende Auswahl zeigt, wie sich das Sprechen und die Positionen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Bezug auf Zugehörigkeit verändert haben: erst anklopfend-bittend, dann wütend-polemisch und schließlich gelassen-selbstbewusst. Foroutans alltagsdiagnostische Texte sind ein Spiegel unserer Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.11.2023
Rezensent Arno Widmann empfiehlt die gesammelten Aufsätze der Integrationsforscherin Naika Foroutan aus über zehn Jahren. Zu lernen ist laut Widmann, wie Deutschland Einwanderungsland wurde, welche Etappen es dabei durchlief und wie das Deutsche auf diesem Weg "umdefiniert" wurde und das Multikulturelle sich immer mehr ausprägte. Die eigenen, in die Text einfließenden Immigrationserfahrungen der Autorin findet Widmann wertvoll, weil sie unter anderem verdeutlichen, dass die Zuschreibung "Ausländer" von einer neuen Generation mit Stolz getragen wird. Für Widmann steht nach der Lektüre fest: Besser als Leitkultur wäre eine Vielfalt der Kulturen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2023
Rezensent Guido Thiemeyer lässt sich von den Fußnoten nicht irreführen: Das Buch der Migrationsforscherin Naika Foroutan ist eine Streitschrift, meint er, eine lesenswerte. Die versammelten Aufsätze der Autorin zur Migrationsdebatte seit 2010 signalisieren Thiemeyer, dass Foroutan den ethnischen Nationsbegriff mit Blick auf die Vertreibungspolitik der Nazis ablehnt, dass sie das Verhältnis der Deutschen zum Islam kritisch sieht und für eine politische Nation in Deutschland plädiert, deren Grundlage das Bekenntnis zum Grundgesetz ist. Für Thiemeyer ist der Band ein bedeutender Beitrag zur Diskussion über die deutsche Nation seit der Sarrazin-Debatte.
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