Klappentext

"Fußnoten" ist auf den ersten Blick eine Bahnfahrt durch die Vororte Hamburgs, eine Situation, wie sie alltäglicher nicht sein könnte. Doch an den Rändern der Dinge, die die Protagonistin Nacha dabei erlebt, stehen kleine Zahlen, als Verweise auf tiefergehende Informationen. Hier unten, im Reich der Fußnoten, spielen sich die Dinge ab, auf denen das, was im Jetzt stattfindet, gründet. Deutsche und argentinische Wirklichkeiten und Vergangenheiten überlagern sich - so wie die Grundrisspläne argentinischer Städte und das Muster der Sitzbezüge der Bahn. Der Leser begleitet die Erzählerin auf Spurensuche nach ihrer europäisch-stämmigen, argentinischen Familie, die viele Jahre unter der Militärdiktatur der Siebzigerjahre gelitten hat. Das wechselvolle Schicksal ihrer Vorfahren ist eng verknüpft mit ihrem Leben als junge Frau in einer deutschen Großstadt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.12.2017

Rezensentin Eva-Christina Meier bewundert dieses Comic-Debüt der argentinischen Illustratorin Nacha Vollenweider, die hier geschickt ihre Erlebnisse in der Wahlheimat Hamburg mit Erinnerungen an ihre Familie in Argentinien verknüpft. Geführt von Vollenweiders leichthändigem Strich und dem inneren Monolog der Erzählerin lässt sich die Kritikerin durch die Geschichte Argentiniens, das Europa der eintreffenden Flüchtlinge oder die Ehe für alle mitnehmen, erfährt wie Vollenweiders Onkel während der Militärdiktatur in den Siebzigern ermordet wurde, reist mit der Autorin in der Hamburger S-Bahn oder begleitet sie zu ihrer Hochzeit mit ihrer Partnerin Chini. Eine meisterhafte Suche nach der eigenen Identität in Bild und Text, in der auch Jugendliche geradezu beiläufig etwas über argentinische Geschichte lernen, lobt die Kritikerin.