Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Sylvia Powels-Niami und anderen. Verkörpert in Persönlichkeiten wie Freud, Benjamin und vielen anderen, bei denen man es kaum je oder nicht mehr bemerkt, ist der Einfluß jüdischen Denkens auf die europäische Geistesgeschichte im 20. Jahrhundert unübersehbar. Und doch sind heute, am Ende dieses Jahrhunderts, wichtige Haupttexte jüdischen Denkens kaum mehr bekannt, die mindestens mittelbar die kulturellen und intellektuellen Quellen solcher Persönlichkeiten darstellten - geschweige denn, daß sie in erschwinglichen Textausgaben greifbar wären. Die Reihe "Jüdische Geistesgeschichte", herausgegeben von Christoph Schulte, Universität Potsdam, will dieser intellektuell fragwürdigen Situation begegnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2003
Im Jahr 1172 schrieb Mosche Ben Maimon, genannt Maimonides, den theologischen Brief "Iggeret Teman" an die im Jemen von arabischen Muslimen stark bedrängten Juden. Er unternimmt darin Abgrenzungen zum Islam, der sich als wahre Erfüllung der jüdischen Prophezeiungen gerierte und damit auch im jüdischen, arabisch sprechenden Milieu des Jemen Erfolg hatte. Maimonides ging in seinem in weiten Teilen arabischen, aber in hebräischen Schriftzeichen verfassten Brief so weit, die von den Muslimen prophezeite Wiederkehr des Herrn genau zu datieren, fürs Jahr 1210. Es war dies ein eklatanter Widerspruch zu seinem sonstigen Werk, in dem er sämtliche Berechnungsmethoden zur Wiederkehr für unzulässig erklärte - der Schachzug aber erwies sich als weitgehend erfolgreich, die Identität der jüdischen Gemeinden wurde durch Maimonides' Eingreifen gestärkt. Der Rezensent Friedrich Wilhelm Graf lobt diese neue Ausgabe des Briefs in den höchsten Tönen. Die Kommentare der Übersetzerin Sylvia Powels-Niami überzeugen ihn ebenso wie der konsequent historisierende Vortrag des Judaisten und Islamforschers Friedrich Niewöhner, der dem Band beigefügt ist.
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