Morten Ramsland

Hundsköpfe

Roman
Cover: Hundsköpfe
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783895614200
Gebunden, 478 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Trunkenbolde, Schmuggler, Raffzähne: Seine Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen.Als Großmutter Bjork ein letztes Mal die in alle Winde verstreuten Verwandten um sich versammeln möchte, kehrt Asger Eriksson nach Dänemark zurück. Ehe er sich versieht, wird er zum Erzähler einer vor unerhörten, komischen wie tragischen Ereignissen überschäumenden Familiensaga, bevölkert von bunten Gestalten. Da ist Großvater Askild, Schiffsingenieur, Schmuggler und talentloser Freizeitmaler, der seine Familie mit trotziger Strenge zu beherrschen versucht. Bjork, die unermüdliche Anekdotensammlerin mit einer Schwäche für Konservendosen voll "frischer Luft aus Bergen". Asgers Vater Niels, genannt Segelohr, der endlose Kolonien von Ungeheuern an die Wände zeichnet und mit seinen enorm großen Ohren unglaubliche Dinge hören kann. Und schließlich Asger selbst, den seit seiner Kindheit eine furchtbare Angst vor der Kellertreppe quält: Unten im Dunkeln, da lauert der Hundskopf.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2007

Ein "Geschichtenerzähler" par excellence sei dieser Autor, staunt Rezensentin Marion Löhndorf, viel Handlung, kaum psychologische Erklärungen. Die Familiengeschichte um den Großvater Askild zeichne sich dadurch aus, dass mit den "Talenten" auch die "Traumata" der Generationen nahtlos weitergereicht würden. Zuletzt male sich der Urenkel seinen Frust mit Monsterbildern von der Seele, so, wie schon Großvater Askild ein Erlebnis mit den Nationalsozialisten verarbeitet hatte. Morten Ramsland erzähle solche komplexen Konstellationen mit einer einfachen, fast kindhaften Sprache, die gerne auch mal "grotesk überzeichne". Die Rezensentin versteht dies als Ausdruck eines großen erzählerischen "Selbstbewusstseins", das auch vor dem Hässlichen nicht zurückschrecke. Alles in allem scheine wenig Sonne aus der Welt des Morten Ramsland, aber die Dänen mögen das. Vielleicht, überlegt die Rezensentin, weil der Autor seine kleinen und großen Familien-Monster von ganzem Herzen liebe. Wenn der letzte Teil dann erzählerisch etwas unsicherer geraten sei, könne man dies als Leser "leicht" verschmerzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Wie schon die dänischen Leser ist auch Hannes Hintermeier dem Zauber von Morten Ramslands "Nordlandrealismus'" erlegen. Ein Familienroman, ja, aber ein besonderer, gibt er uns zu verstehen. Eine Entdeckung also. Dabei hat Hintermeier zu Beginn einige Schwierigkeiten, sich in diesem Stammbaum aus Trinkern und Träumern zurechtzufinden, den der Autor zwar durchaus liebevoll, doch gnadenlos und ohne viel Psychologie ausbreitet. Das Tempo nennt Hintermeier "normannisch", Fäkalien sind ein Leitmotiv. Derb geht es zu und vor allem eher abwärts. Die Umsetzung dagegen erscheint dem Rezensenten ganz weit oben, "routiniert" und durchdrungen von einem individuellen Ton.
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