Aus dem Amerikanischen von Thomas Überhoff. Ein Junge wächst im Reservat der Penobscot in Maine auf. Das Leben ist geprägt von den Mythen der Ahnen und den Härten des Alltags. Mit der zufälligen Entdeckung eines Gefäßes, auf dem ein alter Fluch lastet, setzt der Junge die Auflösung seiner Familie in Gang. Die demente Großmutter sieht in ihm einen wichtigen Menschen aus ihrer Vergangenheit, doch er muss mit der Gegenwart fertigwerden: kein Job, keine Perspektive, und die illegale Stachelschweinjagd löst die ewigen Geldprobleme nicht. Da kommt ihm die Idee, das Stammesmuseum um wertvolle antike Streitkolben zu erleichtern.Eindrucksvoll, mit leuchtendem Humor und großer Menschenkenntnis zeichnet Morgan Talty das unvergessliche Porträt einer indigenen Gemeinschaft.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.07.2025
Rezensentin Katharina Teutsch taumelt mit den Figuren von Morgan Talty durch diesen Roman, der von den "desolaten" Lebensbedingungen in einem indigenen Reservat erzählt: Der Jugendliche Dee muss seinen Weg finden, was zwischen schwer depressiver Mutter und alkoholkrankem Stiefvater schwierig wird. Psychische Erkrankungen gibt es viele im Reservat, Arbeitsstellen weniger, erfahren wir, insgesamt wird ziemlich viel in ziemlich trister Art und Weise konsumiert, aber trotzdem befällt Teutsch hier das Gefühl, es mit einer großen Familie zu tun zu haben, die sich liebt, trotz aller Schwierigkeiten. Ihr gefällt, wie Talty die "sanfte Wucht" einer doch ziemlich emotionalen Geschichte rüberbringt, ohne in "stilistische Drastik" zu verfallen.
Unaufgeregt, fast spröde erzählt Morgan Taltys erster Roman vom Leben seines Protagonisten David in einem indigenen Reservat nahe der kanadischen Grenze, staunt Rezensent Cornelius Wüllenkemper. Das Reservat steht schon von Anfang an unter keinem guten Stern, denn jemand versucht, seine Familie mithilfe der Goog'ook-Geister zu verfluchen. Seine Mutter wird depressiv und alkoholabhängig, für David geht das Leben irgendwie weiter. Er hat Freunde, mit denen er über die Herkunft und die Probleme von Arbeitslosigkeit über Liebeskummer bis Rassismus scherzen kann. Neben den Traumata ist also auch Raum für Lachen, das wie eine "Eruption des Lebenswillens" durchscheint.
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