Klappentext

Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. Duddy Kravitz wächst in der St. Urbains Street auf, mitten im jüdischen Viertel von Montreal. Er stammt aus einfachen Verhältnissen und muss früh lernen sich durchzusetzen. Die Jungs aus dem Viertel bewundern ihn, er ist gewitzt, verschlagen, immer zu allem bereit. Als ihm eines Tages sein Großvater Simcha erzählt, daß ein Mann ohne Grundbesitz ein Niemand sei, steht für ihn fest, daß er ein Stück Land erwerben muß. Nachdem er die Mittelschule beendet hat, setzt er alles daran, seinen Traum zu verwirklichen, ob als Schmuggler oder Filmproduzent, als rasender Taxifahrer oder Vertreter für Toilettenartikel ist ihm gleichgültig. Hauptsache, es kommt genügend Geld zusammen. Doch Duddy verstrickt sich in immer turbulentere Unternehmungen und vergrault nach und nach all jene, die ihm wohlgesonnen sind. Mit bissigem Humor erzählt Mordecai Richler von den Abenteuern eines jungen Mannes, der die schmerzhafte Erfahrung machen muß, dass unsere Träume nie das sind, was wir glauben, selbst wenn sie wahr werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2007

Mitgerissen liest Rezensent Reinhard Helling Mordecai Richlers schon fast fünfzig Jahre alten Roman über einen aufmüpfigen Jungen im Montreal der späten fünfziger Jahre, Sohn eines Taxifahrers und Zuhälters, der alles daran setzt, der abgehalfterten St. Urban Street zu entkommen und dafür kein windiges Geschäfte auslässt. Bis er ein Seegrundstück in den Lorenzbergen nördlich der Stadt erwerben kann, ist es ein weiter und stachliger Weg für Duddy, der, wie der Rezensent findet, zwar nicht alles richtig macht, mit dem der Leser aber dennoch mitfiebern muss, denn "die Dialoge sind derart zwingend geschrieben, dass ein Aussteigen schlicht unmöglich ist". Dass das Buch des 2001 verstorbenen wohl wichtigsten jüdischen Schriftstellers Kanadas nun in einer, wie er lobt, gelungenen Übersetzung auf Deutsch erschienen ist, hält er für eine "überfällige, aufregende Ausgrabung". Nur ein Glossar "zeitlicher und lokaler Besonderheiten" fehlt ihm.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2007

Mordecai Richlers Roman "Die Lehrjahre des Duddy Kravitz" erschien im kanadischen Original bereits 1959, baut Rezensent Thomas Leuchtenmüller allzu hohen Erwartungen an die Modernität des Textes vor, und selbst für die damaligen Verhältnisse würde er ihn nicht unbedingt als avantgardistisch bezeichnen. Aber offenbar hat er ihn trotzdem ganz gern gelesen. Richler erzählt darin vom sozialen Auf- und moralischem Abstieg des jüdischen Duddy Kravitz. Dabei hat der Rezensent einige tiefe, aber nicht immer schmeichelhafte Einblicke in die weniger vornehme Welt der jüdischen Diaspora erhalten. Doch auch wenn Leuchtenmüller in diesem Roman einige "rabenschwarze Charakte" begegnet sind, hat er nie die Sympathie für sie verloren, vor allem nicht, wenn sie sich selbst über ungedeckte Schecks zur Bar Mitzwa freuen - es zählt ja die Geste.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2007

Eva-Elisabeth Fischer hat Mordecai Richlers 1959 verfassten nun auf deutsch vorliegenden Roman "Die Lehrjahre des Duddy Kravitz" mit großem Vergnügen gelesen. Als "komisch, zynisch, explosiv" lobt sie den Roman und lässt keinen Zweifel daran, dass der Autor bei seiner im ärmlichen jüdischen Emigrantenviertel Montreals angesiedelten Geschichte um die kriminelle Laufbahn des Duddy Kravitz auf das "böse Gelächter" setzt. Auch wenn sich ihre Sympathie für Duddy in Grenzen hält, ihr Mitgefühl hat er, schließlich geht es ihm bei aller Skrupellosigkeit und Gier doch vor allem um ein wenig Anerkennung. Sie bescheinigt Richler einen "nüchternen Blick" auf die Dinge und einen "lapidaren" Ton. Gleichwohl haben seine schäbigen Protagonisten für sie eine gewisse Tragik und einen "Rest von Würde". Letztlich liest sie den Roman als ein Buch über "müßige Träume", über das Erwachsenwerden "als Prozess der Desillusionierung" und über den "Verlust der Unschuld".
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