Mopsa Sternheim

Im Zeichen der Spinne

Roman
Cover: Im Zeichen der Spinne
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835359703
Gebunden, 364 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Gisela und Rudolf Fietz. Vivan liebt das Nachtleben, die Kunst und ihre Freiheit. Die Nächte verbringt sie in den queeren Künstlerkreisen in Berlin, während draußen die Weltwirtschaftskrise tobt. Sie verliebt sich unglücklich in einen wesentlich älteren Dichter, die Affäre endet und Vivan versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie überlebt knapp und trifft die Entscheidung für ein emanzipiertes Leben. Doch dann geht sie ein Verhältnis mit Michael ein. Ein Künstler, der wie sie auf der Suche nach seinem Platz in der Welt ist. Als Vivan schwanger wird, muss sie neue Pläne für ihr Leben fassen - zeitgleich übernehmen die Nationalsozialisten die Macht. Mopsa Sternheim erzählt, was es für eine Frau der 1920er und 1930er Jahre bedeutet, wenn sich in einer traumatisierten und desillusionierten Gesellschaft ein männlicher Gewaltkult erneut Bahn bricht. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.12.2025

Nach 70 Jahren ist der einzige, unvollendet gebliebene Roman von Mopsa Sternheim wieder aufgetaucht, den es wohl ohne Gottfried Benn gar nicht gegeben hätte, so Rezensentin Angela Gutzeit: Er hatte eine Beziehung mit der jungen Frau, ging in ihrem Dichter-Elternhaus ein und aus und prägte ihren expressionistischen Sound ganz erheblich. Der Roman handelt von der Großbürgertochter Vivan, die den Ersten Weltkrieg erlebt und danach in aller Zerrissenheit dieser Zeit einen Weg für sich sucht, auch das Erstarken des Nationalsozialismus spielt eine Rolle, erfahren wir. Für Gutzeit ist der Roman zwar im Ganzen nicht so überzeugend, sie findet ihn als Zeitdokument aber dennoch wichtig, insbesondere die biografisch motivierten Passagen über das KZ beeindrucken sie.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.11.2025

Rezensent Frank Keil hält das Schwere und Widerspenstige des einzigen Romans von Dorothea aka Mopsa Sternheim für eine Zierde. Auch wenn der wiederentdeckte und siebzig Jahre nach seiner Vollendung endlich veröffentlichte Text um den Niedergang der Weimarer Republik und den der Berliner intellektuellen Boheme für Keil eine Herausforderung ist, so pathetisch, dramatisch, subjektiv, existenziell, theatralisch, möchte er das Buch empfehlen. Ein bisschen fühlt er sich wie in einer Slomo-Version von "Berlin Babylon", ein bisschen wie im expressionistischen Seminar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Nein, einen literarischen Sensationsfund möchte Rezensent Hilmar Klute Dorothea Sternheims - genannt "Mopsa" - nachgelassenen Roman "Im Zeichen der Spinne" nicht nennen, lesenswert findet er ihn dennoch. Denn die Geliebte von Gottfried Benn verarbeitet in dem Buch nicht nur ihre toxische Beziehung mit dem Schriftsteller, sondern deutet auch sexuelle Übergriffe ihres Vaters, des Dramatikers Carl Sternheim an. Vor allem aber beleuchtet Mopsa Sternheim, die sich im besetzten Frankreich einer Resistance-Gruppe anschloss, schonungslos die Verstrickungen der Deutschen in die NS-Diktatur, staunt der Kritiker. Da verzeiht er gern, dass die Motive mitunter "plakativ" und der expressionistische Ton gelegentlich parodistisch erscheinen. 

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