Aus dem Spanischen von Ursula Bachhausen und Kirsten Brandt. Natàlia findet die Tagebücher ihrer Mutter Judit und entdeckt bei der Lektüre eine Seite an der Verstorbenen, die sie bisher nicht gekannt hat: Die zarte und leidenschaftliche Judit pflegte in den 1930er-Jahren eine sehr enge Beziehung zu Kati, einer Anarchistin und Unterstützerin der Republik, einer Bohemienne, die sie für ihre Unabhängigkeit bewunderte. Doch was war das für eine Beziehung? Je länger sich Natàlia in die Worte ihrer Mutter vertieft, desto mehr Fragen kommen auf: Liebten Kati und Judit einander auch auf eine romantische Art? Mussten sie unter der faschistischen Bedrohung eine lesbische Beziehung verheimlichen? Natàlia bittet ihre Freundin Norma, eine Schriftstellerin, die Aufzeichnungen ihrer Mutter in einem Roman zu verarbeiten. Als die beiden Frauen von der Sehnsucht Judits nach Freiheit und Selbstbestimmung lesen, beginnen sie sich zu fragen, wie es eigentlich um ihre eigenen Beziehungen bestellt ist: Norma ist gerade dabei, sich neu zu verlieben und Natàlia versucht sich von Jordí zu trennen, der sich nicht aus seiner Ehe lösen kann...
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.04.2025
Gern liest Rezensentin Katharina Döbler den dritten Teil von Montserrat Roigs Barcelona-Trilogie, der im katalanischen Original bereits 1980 publiziert wurde: Im Zentrum stehen darin die beiden Freundinnen Norma, Journalistin und Schriftstellerin, und Natàlia, Fotografin, die in der Zeit der "transición" nach Francos Tod in Barcelona leben. Natàlia sei vor kurzem auf die Geschichte ihrer Mutter gestoßen, aus der Norma einen Roman machen wolle, was allerdings von den Lebenskrisen der beiden zwischen kommunistischer Partei und untreuen Geliebten überlagert werde. Für Döbler ein Roman, der in sinnlicher wie intellektueller Empfindsamkeit durchaus mit Doris Lessings "Goldenem Notizbuch" messen kann und die Verbindung von Privatem und Politischem überwiegend erstaunlich modern bewältigt, wie sie schließt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2025
Montserrat Roig erzählt in ihrem neuen Roman von der "doppelten Marginalisierung" als Frau und Katalanin in der Post-Franco-Zeit, berichtet Kritikerin Karin Janker. Das Buch erscheint als dritter Teil einer Trilogie, erfahren wir, die Protagonistin Natalia hatte in den ersten beiden Bänden Umbrüche, Revolution, eine illegale Abtreibung, einen Aufenthalt in England und die Rückkehr nach Spanien erlebt. Dieser Band zeige sie als Geliebte eines verheirateten Mannes, deren Emanzipation dementsprechend eine ambivalente sei - und sich zudem nicht nur auf ihr Geschlecht, sondern auch auf die unter Franco unterdrückte katalanische Sprache beziehe. Janker fühlt sich bei dem "schonungslosen und zugleich zärtlichen Blick" der Autorin auf ihre Figuren an Elena Ferrante erinnert.
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