Monika Wagner

Das Material der Kunst

Eine andere Geschichte der Moderne
Cover: Das Material der Kunst
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406472183
Gebunden, 350 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Mit 160 Abbildungen. Dieses Buch bietet eine umfassende Untersuchung der Verwendung und Bedeutung von Materialien in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Jenseits künstlerischer Privatmythologien stellt Monika Wagner in exemplarischen Analysen traditionelle, kunstfremde und neu entwickelte Materialien in den Kontext ihrer alltäglichen Nutzungen und Zuschreibungen. Mit ihrer kritischen Rekonstruktion der Materialbedeutungen eröffnet sie einen neuen Zugang zum Verständnis moderner Kunst. Die Autorin versammelt und analysiert in diesem Buch die zentralen Materialien der Kunst des 20. Jahrhunderts, beginnend mit der traditionellen Farbe über die Dinge der Alltagswelt und der Natur bis hin zu flüchtigen Stoffen - der Luft und dem Licht. In exemplarischen Analysen legt sie die Botschaften der Materialien durch das Geflecht ihrer historischen Nutzungen und ihrer sozialen wie geschlechtsspezifischen Zuschreibungen offen. Bildwiedergaben bieten die Möglichkeit, sich eine anschauliche Vorstellung von den vieldiskutierten Kunstwerken zu machen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.09.2001

Schon das Cover der Studie von Monika Wagner, Jana Sterbaks "Vanitas: Flesh Dress for an Albino Anorectic" - eine junge Frau, die ein Kleid aus frischen Ochsenfleischlappen trägt - ist Gudrun Schury einen ganzen Absatz wert. Denn hier wird bereits deutlich, worum es in dem "exzellenten" Werk geht: um moderne Kunst, die sich ihrer Reproduktion entzieht, denn die Autorin hat in diesem Band die Kunst von Sterbaks, Judy Chicago, Josef Beuys, Janine Antoni, Günter Brus oder Hans Haacke analysiert, um nur einige zu nennen, die Kunst als Momentaufnahme betrieben und organisches Material wie Blut und Schweineschmalz verwendeten oder gar den eigenen Körper zum Kunstwerk stilisierten. Die Rezensentin zeigt sich beeindruckt vom Ansatz der Autorin, sich dieser Kunstform mit der Elementen-Lehre zu nähern und Wasser, Erde, Feuer und Luft Licht, Ton Fleisch, Blut, Müll und Acryl zuzuordnen. Wagners Anliegen, den Blick des Betrachters auf den stofflichen Charakter des Exponats und auf das Material aus Ausdruck und Inhalt von Kunst zu lenken, sieht Schury in dieser Studie sehr gelungen umgesetzt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.08.2001

Erst freut sie sich über das Buch, Elke von Radziewsky, weil sie Schokolade mag, Seidengarne und Granit. Dann muss sie jedoch erkennen, dass es hier nicht um Stoffe geht, "die meine ästhetischen Gelüste befriedigen", sondern um Fett, Filz, Lumpen und Elefantendung. Erkennen muss Radziewsky aber noch mehr und ertragen: Eine aus Kunstgeschichte "zusammengekleisterte Theorie" nämlich und "hamsterartig aufeinander getürmte Abhandlungen über Farbe bei Dubuffet (...) Fett bei Beuys (...) Luft bei Christo". Schließlich noch diese wenig originelle Geschlechtercodierung: Material als per se weiblich, Form als männlich - bäh, wie langweilig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.05.2001

Walter H. Lokau räumt die Berechtigung dieser Studie ein. Die Bildende Kunst habe zweifellos eine Geschichte "solchen Zu- und Einflusses von Materialien", schreibt er und erklärt, durchaus lobend, wie die Autorin mit "schon positivistisch zu nennendem Elan" die Erscheinungen der Farbe, des Abfalls, von Licht, Luft, Fett, Filz und Blut durch das Jahrhundert verfolgt und die semantische Aufladung des Materials dabei nicht selten den Intentionen der Künstler entgegenhält. Schade, schade nur, meint Lokau, dass der Wille der Autorin zur "institutionellen Konsolidierung" der Materialforschung mitunter so akademisch mitspielt, die Arbeit als Patchwork verstreut erschienener Veröffentlichungen erkennbar bleibt und der Umgang mit Theorie hier derart leichtsinnige Züge trägt, dass es einen "peinlich berührt".
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