Andrea Bajani
Der Jahrestag
Roman

Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783312014224
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR
ISBN 9783312014224
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Zehn Jahre ist es her, dass der Sohn seine Eltern zum letzten Mal gesehen hat. Seither hat er seine Telefonnummer gewechselt, die Stadt verlassen, eine unüberwindbare Mauer errichtet, um der schmerzhaften Familiengeschichte zu entkommen. Es waren die zehn besten Jahre seines Lebens. Mit unerbittlicher Präzision erzählt er von seinen Eltern, zeichnet das ergreifende Porträt seiner Mutter, die ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um den Ansprüchen des tyrannischen Vaters gerecht zu werden.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2025
Rezensentin Carolin Gasteiger fiebert mit mit Andrea Bajanis vom tyrannischen Vater unterdrückten Mutter-Figur. 2025 mit dem "Premio Strega", dem wichtigsten italienischen Literaturpreis, ausgezeichnet, liegt diese aus der Ich-Perspektive eines der beiden Kinder erzählte Familiengeschichte über Verheimlichung und die Weitergabe patriarchaler Strukturen nun auch auf Deutsch vor, freut sich die Kritikerin. Gasteiger zeigt sich beeindruckt davon, wie es dem Autoren hier gelingt, die herrschenden Dynamiken auf gerade mal 170 Seiten nur durch die Nutzung von oberflächlich scheinenden Alltagsbeobachtungen und Aneinanderreihungen von Fakten emotional erfahrbar zu machen. So liest sie etwa wie die Mutter beim Vater für jegliche Angelegenheiten zunächst um Erlaubnis fragen muss; sie darf keine unangekündigten Telefonate führen und erhält zur eigenen Verfügung nur eine mickrige Monatssumme. Das ist so persönlich und berührend, dass es Gasteiger schwer fällt, hier keine autobiografische Lesart anzuwenden, auch wenn sich Bajani selbst in Interviews dagegen wehrt. Eine gelungene Auseinandersetzung mit familiären Tabus und der Frage, wie man sie schreibend brechen kann, so die Kritikerin.
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