Mirko Bonné

Wie wir verschwinden

Roman
Cover: Wie wir verschwinden
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783895614033
Gebunden, 339 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Wie wir verschwinden", der neue Roman von Mirko Bonne, erzählt eine große Geschichte der Erinnerung: Raymond, Witwer mit zwei so lebhaften wie eigensinnigen Töchtern, erhält nach Jahrzehnten des Schweigens einen Brief seines todkranken Jugendfreundes Maurice, der ihn in die gemeinsam erlebte Vergangenheit zurückversetzt: nach Villeblevin, wo 1960 Albert Camus bei einem Autounfall ums Leben kam. Ein französisches Dorf und ein historisches Ereignis werden für zwei Jugendfreunde zum symbolischen Angelpunkt, um die fünfzig zurückliegenden Jahre zu erinnern und ihre Schicksalhaftigkeit anzuerkennen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2009

Eingenommen ist Samuel Moser für Mirko Bonnes Roman "Wie wir verschwinden". Besonders beeindruckt hat ihn die Vielschichtigkeit des Werks. Die Geschichte um zwei Jugendfreunde, Raymond und Maurice, deren lang geplante Flucht aus einem französischen Dorf just an dem Tag des Jahres 1960 scheitert, als sie Zeuge des tödlichen Autounfalls von Michel Gallimard und Albert Camus werden, scheint ihm zunächst vom "täglichen Verschwinden des Lebens aus dem Leben" zu erzählen. Dann aber liest er den Roman zunehmend als "großangelegte Konstruktion gegen das Verschwinden". So steht am Ende nach mehr als vierzig Jahren Schweigen eine Versöhnung zwischen Raymond und dem todkranken Maurice, von dem er sich an diesem Tag, mit dem die Kindheit endete, verraten fühlte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2009

Martin Halter ist hellauf begeistert von Mirko Bonnes neuem Roman und entdeckt darin einen an Francoise Sagan, Francois Truffaut und Eric Rohmer erinnernden Ton, der ihm Bonne zum "wohl französischsten" Autor der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur macht. Bonne schildert darin zum einen den Autounfall, der Albert Camus zusammen mit dem Neffen seines Verlegers, Michel Gallimard, im französischen Provinzort Villeblin das Leben kostete. Zum anderen erzählt er von einem sich zur gleichen Zeit am selben Ort ereignenden Draisinen-Unfall der jugendlichen Freunde Maurice und Raymond, erklärt der Rezensent. Der Roman rollt einen 50 Jahre zurückliegenden Plan, der Provinz zu entrinnen, einem Verrat und daraus resultierende Trauer und Schuldgefühle auf. Wie es Bonne am Ende gelinge, ganz ohne "falsche Sentimentalität" die Jugendfreunde miteinander zu versöhnen, und wie er die beiden Unfälle mit einer großen erzählerischen Ruhe und Bedächtigkeit miteinander verschränkt, findet Halter höchst beeindruckend. Und deshalb verzeiht er dem Autor, der trotz lobender Kritik hierzulande nicht angemessen gewürdigt wird, wie der Rezensent meint, auch einige "Längen und altersweise Behäbigkeit".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2009

Erinnert Mirko Bonnes Roman "Wie wir verschwinden" zunächst an einen französischen Film, der an einem leichten Sommertag zögerlich seine Geschichte um Liebe, Verrat und Treuebruch entfaltet, so gewinnt er in seinem zweiten Erzählstrang eine Dynamik von mythischer Wucht, stellt Ulrich Baron fasziniert fest. Der 1965 in Tegernsee geborene Autor entrollt die Geschichte zweier Jugendfreunde, deren Freundschaft zerbricht, "als sie ihren größten Triumph feiern wollen": Er lässt die beiden in der französischen Provinz in einer selbst instandgesetzten Draisine auf eben jenen Sportwagen zusteuern, mit dem Albert Camus und der Neffe des Verlegers Gallimard tödlich verunglücken. Für den Rezensenten gehört dieser Verkehrsunfall von geradezu mythischer Dimension zu den beeindruckendsten Szenen der deutschen Literatur, wie ihn das Buch überhaupt als brillant konstruierter Roman begeistert. Dabei ist es insbesondere die Diskrepanz von geradezu somnambuler Ruhe und rasender Dynamik, die Baron an diesem Werk so beeindruckend findet.
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