Mirko Bonné

Wege durch die Spiegel

Gedichte
Cover: Wege durch die Spiegel
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783690970044
Gebunden, 96 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Welche Spuren hinterlassen wir in der Zeit? Und welche Spuren hinterlässt die Zeit in unserer Erinnerung? Mirko Bonné spürt in seinem neuen Gedichtband den Momenten nach, die im Leben zählen. Einfühlsam und mit behutsamem Widerstand gegen die Vergänglichkeit sucht er Orte, Augenblicke und Begegnungen auf, die, warum auch immer, bleiben wollen. Er besichtigt Teile seiner Familiengeschichte und misst das Schweigen der Großeltern zur NS-Zeit aus. Bonnés Verse beschwören uralte Pfade und Wege durch die Spiegel, eine Möwe, die nachts bei Mistral kreist, eine vergangene Liebe und den Olympischen Sommer im Kindheitsjahr 1972. Sie führen nach Calw, Rom und in Städte, die sich selbst vergessen haben - und immer wieder nach Frankreich oder ins Blaue. Ein Streifzug durch Landschaften und ein Leben gegen die Vergänglichkeit. Ein berührendes literarisches Plädoyer "gegen alles Enge, Weite, Hohe, Tiefe, / gegen Schwerkraft und - den Uhrzeigersinn."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.07.2025

Mirko Bonné leistet in seinem neuen Gedichtband "poetische  Erinnerungsarbeit", konstatiert Rezensent Björn Hayer: Neben der  echten Welt gibt es bei Bonné immer noch die Welt der Erinnerungen, des Erlebten, die sich in die Gedichte einschreibt. Positive Erlebnisse  aus der Kindheit kommen dabei ebenso vor wie die Verdrängung des Nationalsozialismus, erfahren wir, gerade die Lücken im Erzählten macht Bonné durch Lücken und Umbrüche deutlich, "als wäre eine Axt hineingefahren" in den Text. "nischt/ zu sehen", halte die Großmutter fest. Hayer reizt besonders, wie der Dichter Ambivalenzen aushält und erschreibt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.07.2025

Kritiker Konstantin Ames kann sich dem "Sog dieser mäandernden Poesie" kaum entziehen, als er den siebten Gedichtband von Mirko Bonné aufschlägt: Kindheits- und Dinggedichte faszinieren Ames,  aber auch das Dichten selbst wird zum Gegenstand von Bonnés Lyrik und "schon verlässt das Gedicht das Bleistiftstadium". Bedeutungsvoll ohne pathetisch zu sein findet Ames die Verse, auch die Bezüge auf so verschiedene Dichter wie Jannis Ritsos, Rilke, Mörike oder Gryphius gefallen ihm. Ein Band, der die erste Hälfte der 2020er einfängt und zudem erfrischend "unverkrampft frankophil" daherkommt, befindet er abschließend: "Du lebst, Rimbaud! / Ja, und falls nicht, / tun wir beide so".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.06.2025

"Poetische Fülle" attestiert Rezensentin Beate Tröger dem neuen Gedichtband von Mirko Bonné, der rund um den Orpheus-Mythos in drei Zyklen die Themen Tod, Verlust und Zuversicht verhandelt. Mit Alliterationen, Reimen, ja sogar "Wie-Vergleichen" spielend und mit Bezügen zu Mörike, Rimbaud, Wilde und vielen anderen taucht der Dichter immer wieder ab in die eigene Biografie, vermerkt die Kritikerin, die sich von Bonné gern zur "Versenkung und Verzauberung" mitreißen lässt: "Die Ameisen Sie begrüßen jede Pore im Beton, und sie wissen, die Süße der Feigen hängt vom Wind ab, davon, wie heiß er weht ab Mitte Juli", zitiert sie. Dass einige Gedichte, die sich unbewältigter Biografie, etwa dem Verhalten der Großmutter unter den Nazis, widmen, schwächer ausfallen, verzeiht Tröger gern.

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