korallen hinter glas verbannt, fische, muscheln. der bodeneine tiefseeattrappe setzt schlamm im becken abwo du dich hindurchzwängst, sind alle arme in arbeitdu kannst mit der haut sehen, dein haupt kann gehenund berührt an vier seiten nur glas. dem tierpflegerspeist du das halbe aquarium ins gesicht. die beleuchtung längstausgelöscht vom wasserstrahl. acht arme, drei herzen, der körperein hirn. vom blick der besucher müd geworden. jeder spalt im deckelein fluchtimpuls. farbwechsel, das ist dein liebesspielmit tastenden bewegungen deiner tentakel die schlierigen kachelnentlang ins offene abflussrohr hinaus in die see.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.02.2024
Rezensent Ewart Reder ist beeindruckt von der Konkretion des poetischen Denkens, das Hartwig Mauritz in seinem neuen Gedichtband "die toten schlafen fest" vorführt. Der Band ist in vier Werkgruppen eingeteilt: Die erste thematisiert anhand von alten Familienfotos mit dem Erinnern auch die Grenzüberschreitung, die Mauritz poetisch inszeniert; die letzte nimmt die Thematik von Visualität und Bildlichkeit wieder auf. Allein die an zweiter Stelle folgenden, allzu gleichförmigen Tiergedichte überzeugen Reder nicht. Umso mehr jedoch die Variationen auf Technik und Physik, in denen Mauritz Alan Turing und John Searle zu Wort kommen lässt, um nach der Differenz von menschlichem Denken und künstlicher Intelligenz zu fragen. Für ein bewegliches Denken, das sprachliche Bedeutungsweisen exponiert, sind die Gedichte dem Rezensenten zufolge selbst beispielhaft.
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