Klappentext
Seit Jahren hat Didi kein Wort mit ihrem Vater gewechselt. Da meldet er sich plötzlich bei ihr und bittet um Hilfe: Er ist schwer erkrankt. Im Krankenhaus übernimmt Didi, denn noch immer spricht ihr Vater wenig Deutsch. Sie kaum noch Slowakisch. Und in den kommenden Tagen lernt sie mehr über sich und ihn als in all den Jahren zuvor. Über Stolz und vertane Chancen, über ihre Familie, Migration und Hoffnung, über sich als Tochter und ihn als Vater. Es ist eine zaghafte, einmal mehr unausgesprochene Annäherung, in der immer deutlicher wird, was sie bei allen Unterschieden eint: ihr Ostblockherz.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2025
Interessiert bespricht Rezensent Nils Kahlefendt Didi Drobnas neuen Roman, sein Fazit fällt allerdings ambivalent aus. In autofiktionaler Manier erzählt Drobna von ihrer Familie, die aus der Tschechoslowakei stammt und kurz nach der Geburt Didis nach Österreich kam. Aufhänger ist ein Krankenhausaufenthalt des Vaters in der Gegenwart, beschreibt der Rezensent, von hier aus öffnen sich Rückblenden auf ein Familienleben, das ohne viel Wärme auskommen muss. Regelrecht verpanzert ist das Gefühlsleben dieser Menschen, die sich in Österreich auch nach Jahrzehnten noch fremd fühlen, resümiert Kahlefendt, geredet wird nicht viel, die traumatischen Erfahrungen des Vaters mit dem Neostalinismus bleiben Andeutung, auch über den Bruder der Erzählerin erfahren wir wenig. Die kleine Didi selbst wird jedenfalls in die Rolle einer zweiten Mutter gedränkt, außerdem fühlt sie sich kulturell entwurzelt. Drobna schreibt warmherzig und präzise, freut sich der Kritiker, der allerdings mit der dargestellten Welt nicht ganz glücklich wird. Allzu uniform fatalistisch erscheinen ihm die Ostblocksozialisierten dieses Buches. Das trübt das Lesevergnügen doch ein bisschen.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2025
Von der Schwierigkeit als Kind von Migranten aufzuwachsen, von einem zerrütteten Vater-Tochter-Verhältnis und von allmählicher Heilung, erzählt Didi Drobna der Rezensentin Lara Sielmann in ihrem autobiografischen Roman "Ostblockherz". Drobna wächst als Kind slowakischer Einwanderer in Österreich auf, so Sielmann. Auf ihr lasten enormer Druck und Verantwortung, sie agiert als Übersetzerin für die Familie und als Schutzpatronin für den zehn Jahre jüngeren Bruder. Als sie älter wird, wird es ihr zu viel - sie bricht den Kontakt ab. In einer "schnörkellosen sowie klaren" Sprache schildere Dobra auf einer Ebene, wie sie zur Familie zurückkehrt, weil ihr Vater ins Krankenhaus eingeliefert wird. Während des quälend langen Wartens denkt sie über sich und den Vater und die Vergangenheit nach, die "Sprachlosigkeit", die das Verhältnis prägt, und die Zuneigung, die beide trotz allem füreinander empfinden. Sielmann scheint das Buch gerne gelesen zu haben, enthält sich aber einer eindeutigen Wertung.
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