Joel Agee

Zwölf Jahre

Eine amerikanische Jugend in Ostdeutschland
Cover: Zwölf Jahre
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446232815
Gebunden, 399 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Joel Agee und Lola Gruenthal. Als Achtjähriger kam Joel Agee in die DDR. Im Herbst 1948 begleitete er seine Mutter Alma und seinen Stiefvater, den prominenten Schriftsteller Bodo Uhse, nach Ost-Berlin. 1960 kehrte er aus dem Osten von Deutschland in die USA zurück. Dazwischen liegt eine Jugend voller Privilegien, mit Villa in Groß-Glienicke, Dienstmädchen und Chauffeur. Doch ein guter Kommunist will Joel nicht werden. Vor der FDJ flieht er in seine Träumereien. Er malt, schreibt und entdeckt die Liebe, während seine Eltern über die Verbrechen unter Stalin, "Republikflüchtige" und den Volksaufstand in Ungarn diskutieren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.05.2009

Fahl und banal, verplappert und verunglückt findet Rezensent Fritz J. Raddatz diese Jugenderinnerungen des Stiefsohns des DDR-Dichters und Aufbau-Chefredakteurs Bodo Uhse. Allerdings beurteilt er das Buch vom Stand heutiger Erkenntnisse aus und verschweigt, oder weiß überhaupt nicht, dass das wiederaufgelegte Buch fast 30 Jahre alt ist und noch von großer Rücksichtnahme auf in der DDR lebende Freunde und ehemaligen Weggefährten geprägt ist. Von Agees Reflexionsniveau hält Raddatz wenig und wirft ihm vor, nie wirklich eine eigene Meinung zu haben, weder im Fall Janka, noch im Fall Harich. (Fälle die erst 10 Jahre nach Entstehen des Buchs aufgearbeitet worden sind). Auch wirft Raddatz dem Autor fehlende dramaturgische Fertigkeiten vor, zwischen den Erinnerungen des Kindes, das er gewesen sei und seinen Erinnerungen als Erwachsenem zu unterscheiden. Es fehlen dem Rezensenten auch Hintergrundinformationen über Pass- und andere Angelegenheiten bei der Ausreise aus der DDR, als sich Joel Agees amerikanische Mutter von Uhse getrennt hatte. Keine Vorwürfe macht Raddatz dem edierenden Hanser-Verlag, der durch ein vernünftiges Vorwort die Hintergründe zu diesem Buch besser hätte beleuchten können und müssen - wodurch man dem Buch nämlich als dem gerecht geworden wäre was es ist: nämlich eine der erste Innenansichten der DDR-Elite, die je zu lesen war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2009

Die zwölf Jahre des Titels sind die Jahre 1948 bis 1960 und Joel Agee verbringt sie in der DDR. Unwahrscheinlicherweise, denn geboren ist er in den USA als Sohn des 1945 dann früh verstorbenen Autors und Filmkritikers James Agee. Seine Mutter heiratet den Sozialisten Bodo Uhse, zieht mit ihm in die DDR, Uhse wird dort rasch zum hohen Schriftstellerfunktionär. Agees Leben scheint, darüber staunt Rezensent Tobias Rüther ob der Umstände schon, von der Politik wenig berührt. Seine erstmals 1981 erschienenen Erinnerungen sind im wesentlichen persönlich, um Frauengeschichten gehe es und ein wenig angepasstes Leben. Was es aber hieß, in der stalinistischen DDR der fünfziger Jahre zu leben, das werde nur am Rande und in kurzen Nebenepisoden deutlich. Und zwar nicht zuletzt, meint Rüther, weil Agee bemüht bleibt, die Perspektive des Heranwachsenden im Rückblick nicht zu überschreiten.  Trotzdem, wenn nicht gerade deshalb hat er den wiederaufgelegten und um ein aktuelles Vorwort des Autors erweiterten Band mit großem Interesse gelesen.