Mieke Schipper

Mythos Geschlecht

Eine Weltgeschichte weiblicher Macht und Ohnmacht
Cover: Mythos Geschlecht
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2020
ISBN 9783608983166
Gebunden, 351 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke. Wir teilen die gleichen Körper und sind doch nicht gleich. Die Vormachtstellung des Mannes geht auf Kosten des weiblichen Körpers, der zugleich begehrt, gefürchtet und missbraucht wird. Mineke Schipper ergründet den Ursprung der Ungleichheit; der sexualisierte Körper der Frau wird dabei in einem spannungsreichen Gefüge von Macht, Ohnmacht und Gewalt verortet. Die Gebärmutter, die Vulva, Brüste und Brustwarzen sind Thema in unzähligen Mythen aus aller Welt ebenso wie den großen Weltreligionen, Kunst, Wissenschaft und Popkultur: von der jungfräulichen Empfängnis über magische Brüste bis hin zur allseits gefürchteten bezahnten Vagina. Das Erbe jener - meist männlichen - Erzählungen und Zuschreibungen, die auf die Kontrolle der weiblichen Sexualität abzielen, hat sich ebenso unmerklich wie unhinterfragt im kulturellen Gedächtnis verankert. Schipper untersucht diese erzählerische Tradition und zieht verblüffende Schlüsse für die modernen Geschlechterverhältnisse. Eine bisher nicht dagewesene globale Vernetzung faszinierender kulturgeschichtlicher Phänomene, die uns alle weltweit bis heute prägen und die Lebensrealität jedes Einzelnen bestimmen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.09.2020

Rezensentin Marlen Hobrack wusste bereits, dass etliche Mythen die Frau als bedrohliches Wesen darstellen. Die zahlreichen Analysen in diesem Buch haben ihr gezeigt, dass die mythischen Geschichten immer noch Einfluss haben: Sie hat gelernt, dass Mythen bestehende Verhältnisse legitimieren, und damit auch noch heute die Unterdrückung der Frau befördern. Wenn nicht aus mythisch geschürter Angst, warum sonst sollte Genitalverstümmelung immer noch Millionen von Frauen weltweit angetan werden, fragt sie sich.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.08.2020

Dass viele Mythen und Legenden das Patriarchat propagieren und Weiblichkeit abwerten, ist der Rezensentin Tabea Grzeszyk nicht neu. Diesem Buch verdankt sie aber die Perspektive, dass unser männlich dominiertes kulturelles Gedächtnis bis heute männliche Vorherrschaft stützt und Diskriminierung von Frauen normalisiert - eine sehr lohnenswerte Lektüre, findet sie. Einzig die abschließende Bestandaufnahme gegenwärtiger feministischer Bemühungen um Gleichstellung findet die Rezensentin nicht sehr gut gelungen, weil darin ausschließlich westliche Stimmen aufgezählt werden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.08.2020

Rezensentin Tabea Grzeszyk hält Mineke Schippers Buch für äußerst lesenswert, merkt aber kritisch an, dass die niederländische Autorin dabei eine sehr westliche Perspektive einnehme. Schippers Ansatz, auch gegenwärtig noch präsente patriarchale Strukturen aus Mythen und Legenden abzuleiten, findet die Rezensentin neu und spannend. So werde deutlich, wie die Rolle der Mutter Erde in verschiedenen Religionen allmählich durch männliche Schöpfungsfiguren verdrängt worden sei, was zu einer zunehmenden Geringschätzung des Weiblichen beigetragen habe.

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