Selbst hartgesottene Globetrotter meiden seit langem Kongo, das bis 1997 noch Zaire hieß. Woher kommt diese Finsternis im Herzen Afrikas? Es war und ist ein Ort der Begehrlichkeiten. Arabische Sklavenhändler, englische Abenteurer, ein belgischerKönig, Kupferkonzerne, Diamanten- und Waffenhändler, der CIA, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, wohlmeinende Helfer und Gestrandete - alle hatten gute materielle Gründe, Kongo heimzusuchen. Die englische Journalistin Michela Wrong, die in den neunziger Jahren als Korrespondentin für Reuters in Kinshasa arbeitete und die letzten Jahre des Präsidenten Mobutu Sese Seko miterlebte, schildert die Vorgeschichte seiner Herrschaft, den vom Westen unterstützten Aufstieg des kleinen Feldwebels zum Präsidenten und den unaufhaltsamen Niedergang Zaires.
Zweiunddreißig Jahre lang hat Joseph Desire Mobutu über den Kongo geherrscht und das Land, das einst zu den reichsten der Erde gehörte, gnadenlos zugrunde gerichtet. Der Kleptokrat ist tot, nicht aber der Mobutismus, fürchtet Johnson und findet deshalb das Mobutu-Porträt der früheren BBC-Korrespondentin Michela Wrong aktueller denn je. Darin schildert sie überzeugend Mobutus Herrschaftssystem, "in dem der Appell an die niedersten Instinkte die Politik zusammenhielt, in dem Diebstahl und Verleumdung oberste Prinzipien des Machterhalts waren. In ihrer Darstellung, lobt der Rezensent, schildere Wrong dabei nicht nur die grotesken Auswüchse einer in Champagner-badenden Oligarchie, sondern auch die Überlebensmechanismen in einem Elend, in dem allein der Gerissenste gewinnt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.04.2003
Als "ausgesprochen informative und gut lesbare Studie" lobt Rezensent Rudolf Walther Michela Wrongs Buch über "Mobutus Aufstieg und Kongos Fall". Wie Walther ausführt, zeichnet Wrong darin Mobutus Weg zur Macht nach, schildert seine systematische Ausbeutung des an Bodenschätzen reichen Landes sowie seine auf Brutalität und Korruption basierenden Herrschaftsmethoden. Er hebt hervor, dass Wrong das Richtige und das Falsche am Urteil über den neueren afrikanischen Despotismus aufzeige. Richtig daran sei, dass Mobutus Aufstieg vom Sekretär des ersten Regierungschefs des unabhängigen Kongo - Patrice Lumumba - nur möglich war dank seiner Skrupellosigkeit und Ganovenschläue. Zugleich habe Mobutu seinen Aufstieg dem Vertrauen und der Unterstützung von westlichen Staaten (insbesondere Frankreichs und der USA) zu verdanken, die auch bei der Ausschaltung und Ermordung Lumumbas wenig Monate nach dessen Regierungsantritt die Hände im Spiel hatten. Schließlich, so Walther, war während des Kalten Kriegs und bis in die jüngste Zeit den westlichen Staaten jedes Regime recht, wenn es nur antikommunistisch beziehungsweise antisowjetisch war.
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