Michail Gorbatschow

Das neue Russland

Der Umbruch und das System Putin
Cover: Das neue Russland
Quadriga Verlag, Köln 2015
ISBN 9783869950822
Gebunden, 560 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Boris Reitschuster. Nach Jahren der Annäherung ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland so angespannt wie seit mehr als 25 Jahren nicht mehr. Was Putin antreibt, warum er die Konfrontation sucht und den Rückfall in den Kalten Krieg in Kauf nimmt, ist vielen ein Rätsel. Nicht Michail Gorbatschow. Mit einzigartiger Kennerschaft beschreibt er die Entstehung des 'Systems Putin' und rechnet kritisch mit ihm ab. Putin zerstöre um seiner eigenen Macht willen die Errungenschaften der Perestroika in Russland und errichte ein System ohne Zukunft. Deshalb fordert Gorbatschow ein neues politisches System für Russland, und er mahnt den Westen, nicht mit dem Feuer zu spielen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015

Der hier rezensierende Historiker Jörg Baberowski schaut etwas mitleidig auf dieses Rechtfertigungswerk des großen Reformers Michail Gorbatschow. 500 Seiten Larmoyanz, gekränkte Ehre und Putinversteherei, das ist dem Rezensenten etwas zu viel. Auch wenn er die Kränkung erkennt, die Gorbatschow seit 1994 erfahren haben muss. Zu sehr spricht aus den laut Baberowski zu allem Überfluss nicht eben elegant gewählten Worten und Sätzen der blinde Parteifunktionär, dem die Bürger Kinder sind und die Demokratie ein notwendiges Übel. Am besten gefällt Baberowski der Autor, wenn er menschlich wird und seiner Raissa nachtrauert oder Chruschtschow einen mutigen Mann nennt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2015

Mit einer langen Besprechung würdigt der Historiker Gerd Koenen Michail Gorbatschows Buch "Das neue Russland", das ihn jedoch traurig zurücklässt. Zunächst erscheint dem Kritiker das Buch als Versuch Gorbatschows, in Russland im politischen Spiel zu bleiben. Koenen liest etwa Gorbatschows Abrechnung mit Boris Jelzin, dessen Verfassungsputsch er als Hauptgrund für den epochalen Niedergang und die Massenverelendung der neunziger Jahre benennt. Fast "hilflos" wirkt der ehemalige Staatspräsident auf den Rezensenten, wenn er immer wieder seine Politik der Glasnost und Perestroika als Allheilmittel anführt. Vor allem aber wird der Kritiker stutzig, wenn Gorbatschow zwar scharf die Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik der wechselnden Regierungen Putins verurteilt, Putin selbst von seiner klaren Kritik und seinen Forderungen stets ausnimmt. Offenbar scheint sich Gorbatschow, der sich selbst in seiner Amtszeit als "gefesselter Prometheus" sah, mit Putin zu identifizieren, glaubt der Rezensent, der bei dem Autor dennoch Zukunftsangst spürt. Dank der spannenden Gespräche mit dem "Nowaja Gaseta"-Chefredakteur Dmitri Muratow hat sich die Lektüre für Koenen aber in jedem Fall gelohnt.
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