Michael Wildenhain

Träumer des Absoluten

Roman
Cover: Träumer des Absoluten
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2008
ISBN 9783608937572
Gebunden, 335 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Tariq, der begabte Sohn einer begüterten libanesischen Familie, und Jochen, der aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammt, kennen sich seit der Schulzeit. Sie verbindet die Liebe zur Mathematik - und zu Judith, die ihnen abwechselnd ihre Gunst schenkt. So bleibt es bis zum Abitur und durch die Jahre in Berlin: beide tief eingelassen in die politischen Diskussionen und den militanten Widerstand gegen den Staat. Der eine, schließlich Professor, steigt aus. Der andere, Tariq, wird in einem aufsehenerregenden Prozess zum Kronzeugen, zum Verräter an seiner eigenen Biografie und sucht die Nähe zum islamischen Terrorismus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2008

An Zeitgeschichte mag Burkhard Müller nicht mehr glauben. Dass das Private das Politische abgelöst hat, dafür scheint ihm der autobiografische Adoleszenz-Roman von Michael Wildenhain ein gutes Beispiel zu sein. Statt echtem Zeitgefühl findet Müller darin bloß "rettungslose Sentimentalität". Wenn Wildenhain über die Berliner Hausbesetzerszene der 80er Jahre erzählt, kommt das Müller vage vor und beschränkt, keinesfalls lakonisch oder gar sinnlich. Sind's die durchweg "schwachen" Dialoge? Oder ist's die laue Routiniertheit des Autors, die sich über lineares Erzählen und eine an der "Coolness der Epoche" orientierte Sprache nicht hinauswagt? Am Ende ist es Müller fast einerlei. Über das Ende der Zeitgeschichte, das der Roman für ihn typischerweise signalisiert, kann er sich jedoch nicht beruhigen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2008

Hervorragend zu einer Verfilmung eignet sich Michael Wildenhains "Träumer des Absoluten", meint Rezensent Uwe Rada. Wie schon im 1991 erschienen Vorgänger entstammt auch im aktuellen Roman das Personal der linksradikalen Hausbesetzerszene in Berlin. Doch seit die Achtziger und damit die Zeiten des Häuserbesetzens vorbei sind, haben die drei Hauptfiguren verschiedene Wege eingeschlagen, berichtet Rada: Während Judith sich in Krankheit geflüchtet habe und die Erzählerfigur Jochen ein recht bürgerliches Leben lebt, steht Tariq, der einstmals den Revolutionären Zellen angehört und danach als Kronzeuge eine neue Identität bekommen hatte, an der Schwelle, sich dem islamistischen Terrorismus anzuschließen. Immer wieder gelingt es Wildenhain, das in legerer Alltagssprache dargestellte Geschehen bildreich und szenisch werden zu lassen, lobt Rada. Dabei sei der Roman nicht nur ein Schlüsselroman über die linke Szene in Westberlin, sondern vor allem auch die Geschichte der Freundschaft zwischen Jochen und Tariq, die letztlich an der Unvereinbarkeit ihrer Persönlichkeiten und Lebensentwürfe scheitere.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.08.2008

FR-Rezensentin Insa Wilke hegt große Sympathien für Michael Wildenhain als politischen Autor. Sein neuer Roman "Träumer des Absoluten" hätte die schnell wieder abgeflaute Diskussion um das Politische in der Literatur belebt, wenn er früher erschienen wäre -  da ist sich die Rezensentin sicher. Dank der "sprachlichen Ausgefeiltheit" Wildenhains kann Rezensentin Wilke die Entwicklung der Figuren Tariq, Judith und Jochen auch stilistisch nachempfinden: von der Schulzeit und Politisierung in den 70ern, Desillusionierung in den 80ern bis zur Ernüchterung nach der Wende oder Tariqs Abgleiten in den Terrorismus. Was Insa Wilke allerdings vermisst, ist ein Rhythmus im Roman - das mag einigen Nebenhandlungen geschuldet sein, deren Notwendigkeit der Rezensentin nicht recht einleuchten wollen.
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